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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. Juli 2015

Gemeinderat: Für und Wider des Ein-Waben-Tarifs

EIN EINWBENTARIF für die Innenstadt war Thema im Gemeinderat. Foto: Fränkle

EIN EINWBENTARIF für die Innenstadt war Thema im Gemeinderat. Foto: Fränkle

 

Diskussion im Plenum über Preise in Bus und Bahn / Ergebnisse des "e-Tarif-Pilotprojekts in Heidelberg sollen abgewartet werden

Über das Für und Wider des von der KULT-Fraktion beantragten Ein-Waben-Tarifs für die Innenstadt will OB Dr. Frank Mentrup erst nach Vorliegen der Ergebnisse des "e-Tarif-Pilotprojekts" in Heidelberg (Ende 2015) im KVV-Aufsichtsrat und Gemeinderat diskutieren.

Dabei handelt es sich auf der technischen Basis des "Touch & Travel"-Systems um einen Innenstadttarif, der sich aus Grund- und Arbeitspreis pro Kilometer zusammensetzt. Erik Wohlfeil (KULT) hatte den Wunsch nach einem neuen Kurzstreckentarif mit autofreier Mobilität in der Innenstadt, einem Ausgleich für die dort von der Kombilösung betroffenen Einwohner und dem vergleichsweise hohen Karlsruher Fahrpreisen für kurze Strecken begründet. Ansonsten sorgte er sich um die künftige Finanzierung des ÖPNV. Abwarten wollte aber auch er die Heidelberger Ergebnisse.

"Keine Verschlechterung des Service nach der Untertunnelung" sah dagegen Sven Maier (CDU). Durch die Rolltreppen werde die Benutzung dort "eher angenehm". Das komplexe Thema müsse in den Gremien besprochen werden. Der Verwaltungsantwort, aus der auch hervorgeht, dass die Verluste durch einen Ein-Waben-Tarif der KVV ausgleichen müsste, stimmte Hans Pfalzgraf (SPD) zu. Ihm war Gerechtigkeit wichtig, denn die Innenstadtbewohner könnten schließlich minütlich in Bahnen einsteigen, die Menschen in  Außenstadtteilen aber nicht. Da für 2019 ein Defizit von 56 Millionen Euro erwartet werde, könne der KVV nur die Preise erhöhen oder die Kosten selbst übernehmen.

Der Kurzstreckentarif habe sich in Karlsruhe nicht bewährt, stimmte ihm Johannes Honné (GRÜNE) zu. Die kilometerbezogenen Bezahlung nach Luftlinienentfernung des Heidelberger E-Tickets könne jedoch die Lösung sein, auch weil der Mindestbeitrag in Karlsruhe größer sei als anderswo. Über "Alternativen für steigende Defizite nachzudenken", etwa wie bei der Heizung Sockeltarife einzuführen, regte Karl-Heinz  Jooß (FDP) an.

Etwas ganz Neues wagen wollte Niko Fostiropoulos (Die Linke). In der belgischen Stadt Hasselt zahle die Kommune den ÖPNV, der viele Menschen zum Konsumieren anlocke. Den kostenlosen Verkehr habe Hasselt wegen der gestiegenen Kosten inzwischen wieder eingestellt, entgegnete Honné. In Karlsruhe wären dann die Bahnen "proppevoll" und der Verkehr würde zusammen brechen. Das glaube er nicht, erwiderte Fostiropoulos, schließlich wolle man, dass möglichst viele Leute ÖPNV fahren.

Wichtiger als ein Kurzstreckentarif seien günstigere Monats- und Jahreskarten für das gesamte Netz. Grundsätzlich müsse man sich auf sich verändernde Situationen einstellen, plädierte  Dr. Eberhard Fischer für den KULT-Antrag. Auch die inzwischen selbstverständliche Seniorenkarte schien erst unannehmbar. "Wie kann man in solchen Zeiten überhaupt Tarife erhöhen?", fragte er.

Während einer zehnjährigen Bauzeit nicht erhöhen zu dürfen, fand OB Mentrup "verwegen". Die Teilnahme der  Bürger lasse bei einer Verteuerung nicht nach. Bei einer dreiprozentigen Erhöhung bleibe schließlich nur ein Prozent Gewinn.  "Unvoreingenommen die Möglichkeiten diskutieren" wollte Jürgen Wenzel (FW). Zu überlegen sei, wie man den Service, "den wir teilweise nicht haben vergüten können, um den ÖPNV attraktiver zu machen. -cal-

 
 

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