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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. Juli 2015

Nobelpreisträger: Fritz-Haber-Straße kommentiert

KOMMENTIERT ARBEIT FRITZ HABERS: Bürgermeister Obert zeigt Bernhard Eldracher (rechts) und GRÜNE-Stadtrat Michael Borner (links) das Zusatzschild.

KOMMENTIERT ARBEIT FRITZ HABERS: Bürgermeister Obert zeigt Bernhard Eldracher (rechts) und GRÜNE-Stadtrat Michael Borner (links) das Zusatzschild.

 

Er entwickelte Giftgas / Zusatzschild über Kriegsverbrechen

Das Straßenschild an der Kreuzung der Pulverhausstraße mit der Fritz-Haber-Straße trägt seit Dienstag ein Zusatzschild, das auf die ambivalente Karriere des Wissenschaftlers Fritz Haber hinweist. Die Straße ist seit 1976 nach ihm benannt.

Der Chemiker Fritz Haber trat 1894 in die Universität Karlsruhe ein und wurde Assistent am Institut für Physikalische Chemie. 1896 habilitierte er sich und wurde 1898 zum Ordentlichen Professor für Technische Chemie. Diese Tätigkeit übte Haber bis 1911 aus. 1904 entwickelte er ein Verfahren zur Ammoniak-Synthese, für das er 1919 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Mit diesem Verfahren war es möglich, künstliche Düngemittel herzustellen, aber auch Sprengstoffe.

Im Ersten Weltkrieg war der Jude Fritz Haber Gründungsdirektor und 22 Jahre lang Leiter des Berliner Kaiser-Wilhelm-Instituts. Die Nazis haben ihn 1933 entlassen. Er reiste dann durch Europa und starb 1934.

Im Kaiser-Wilhelm-Institut entwickelte er ein Verfahren zur Herstellung von Giftgas, das dann bereits im Krieg 1914 bis 1918 großflächig eingesetzt wurde. Fritz Haber war verheiratet mit Clara Immerwahr-Haber, der ersten Frau in Deutschland, die als Chemikerin einen Doktortitel erwerben konnte und die er bereits seit seiner Abiturszeit in Breslau kannte. Sie erschoss sich 1915 mit Fritz Habers Dienstwaffe, weil sie seine Rolle aus Giftgas-Entwickler nicht akzeptierte.

Auf Antrag der Grünen hatte der Gemeinderat beschlossen, Fritz Habers wissenschaftliche Tätigkeit mit einem Zusatzschild zu kommentieren. Nunmehr ist zu lesen, dass Fritz Haber maßgeblich am Einsatz von Giftgas als Waffe an der Front beteiligt gewesen sei. Dieses Kriegsverbrechen gelte heute als Beispiel für verantwortungslose Wissenschaft. Bürgermeister Michael Obert und Bernhard Eldracher vom Liegenschaftsamt erläuterten bei einem Pressetermin die Bedeutung von Zusatzschildern. -erg-

 
 

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