Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. Juli 2015

Sterbebegleitung: Würdevoll leben bis zum Tod

Hospizwohnung von Caritas und Diakonie ergänzt Angebot / Häuslicher Charakter

Das Ende des Lebens ist so vielschichtig und individuell wie dessen Anfang. Deshalb braucht es Angebote, die unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung tragen. Wer seine letzten Tage Wochen oder Monate nicht in einer stationären Einrichtung verbringen möchte, hat ab Dezember die Option, in eine von Caritas und Diakonie getragene Hospizwohnung in der Uhlandstraße (Weststadt) zu ziehen.

Bis zu sechs Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung leben dort in einer Wohngemeinschaft, nutzen gemeinsam Räume wie Küche, Wohn- und Esszimmer. Rund um die Uhr ist eine Betreuungskraft anwesend, zusätzlich helfen qualifizierte Freiwillige.

Fast wie daheim soll es sein - versorgt von ambulanten Pflegediensten und vertrautem Hausarzt. Und noch mitten im Leben. Nicht abgeschoben an den Rand. „Wir wollen Teil des Quartiers, der Nachbarschaft werden“ hoffte Christine Ettwein-Friehs, Leiterin des Hospizdienstes Karlsruhe, auf „ein Miteinander, ein Hin und Her.“

Der Großraum Karlsruhe sei mit dem Hospiz Arista in Ettlingen, mit Angeboten ambulanter Hospizdienste und in Pflegeheimen sowie den Palliativstationen im Städtischen Klinikum und im St. Vincentius „prinzipiell gut versorgt.“  Dennoch sei aus Bevölkerung und Fachkreisen der Ruf nach einem ergänzenden Angebot laut geworden, führte Hans-Gerd Köhler, Geschäftsführer des Karlsruher Caritasverbands, aus. Eines, das Angehörige entlaste, häuslichen Charakter habe und bei dem sich Schwerkranke und Sterbende gut umsorgt fühlen. Wolfgang Stoll, Direktor des Diakonischen Werks, war stolz. Karlsruhe sei damit einer von zwei bis drei Standorten in Süddeutschland, die eine solche Hospizwohnung anböten.

Die Stadt übernimmt die Kosten außerhalb der Pflegeleistungen wie Miete oder Hauswirtschaft, das hat der Gemeinderat im Februar unisono beschlossen. Die dafür veranschlagten 50.000 Euro pro Jahr finanzieren Spenden aus dem Verkauf von Zahngold aus dem Krematorium. „Sehr froh“ über diese Entscheidung war Bürgermeister Klaus Stapf, damit werde den Menschen ein Sterben in „Würde, Geborgenheit und ohne Schmerzen“ ermöglicht. Jeder könne kommen, die Einrichtung sei überkonfessionell. Auch am Geld solle es laut Stapf nicht scheitern, eine Lösung werde auch für Menschen gefunden, die die Miete nicht zahlen könnten. -maf-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe