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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. Juli 2015

Historisches Projekt: Den Alltag von 1715 ausprobieren

LEINEN wie vor 300 Jahren waschen: Eine von zwölf Stationen, vor allem Handwerk, die Uwe Gradwohl (hinten) organisierte und OB wie emsigen Weiherwald- und Albschülern gefielen. Foto: Fränkle

LEINEN wie vor 300 Jahren waschen: Eine von zwölf Stationen, vor allem Handwerk, die Uwe Gradwohl (hinten) organisierte und OB wie emsigen Weiherwald- und Albschülern gefielen. Foto: Fränkle

 

Schüler und OB auf Zeitreise

Baumeister genießen seit jeher hohes Ansehen - wenn sie sich gut anstellen. Beides gelang einigen Grundschülern der Weiherwaldschule, als sie unter den Augen des faszinierten Oberbürgermeisters Dr. Frank Mentrup das Prinzip der schwebenden Stadt auf der „Zeitreise Karlsruhe 1715“ rasch verstanden.

Auch wussten sie um Schloss und Fächer als markante Elemente. Die in Balance zu bebauenden Scheiben sind wie viele Teile des Parcours’ Eigenkonstruktionen des Projektleiters Uwe Gradwohl. Der Journalist ermöglicht es mehr als 2.500 Schülern an zwölf Schulen - diese Woche Weiherwald- und Albschule -, in den Alltag von vor 300 Jahren einzutauchen.

So entstanden ein Häuschen aus Lehm und Holz sowie nur aus Letzterem trotz anfänglicher Rückschläge stabile Da-Vinci-Brücken. Papier wurde gepresst, Leinenwäsche sollte wieder sauber werden. Drinnen ließ die Schreibwerkstatt mit Tinte und Federkiel die Tablet-Generation staunen. Andere Kinder stampften an einer der zwölf reihum in jahrgangsübergreifend durchmischten Gruppen auszuprobierenden Stationen Butter. Nebenan in der Küche dampfte Fladenbrot, das im Mühlstein begann und auch dem vom Rundgang mit Schulleitungen beeindruckten OB schmeckte.

Dass Pommes mit Ketchup ausblieben, weil damals weder Kartoffeln noch Tomaten bekannt waren, wie einer der verbreiteten Erklärtexte beschrieb, störte nicht. Gut integriert waren die Albschüler, Kinder mit geistiger Behinderung. Sie tanzten Formation, bauten handliche Wasseruhren. Auch eine Art frühes Tennis ohne Netz machte Freude.

Gradwohls Motivation ist das ungarische Nadasch (Mecseknádasd), wo seine einst aus deutschen Landen ausgewanderte Familie Wurzeln schlug. Er möchte zeigen, wie sich die Kulturen beeinflussten, wie Folklore entstand, um Heimat zu bewahren. Ein Obolus pro Schüler ermöglicht das im Unterricht besprochene Erlebnis. Gradwohl hofft, dass die durch ein Team des Gartenbauamts immer wieder auf- und abgebauten Stationen zur Dauereinrichtung werden. -mab-

 
 

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