Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. Juli 2015

Geschichte: Opfer von Justizmord

HIELT REINHOLD-FRANK-GEDÄCHTNISVORLESUNG: Prof. Gross (rechts) mit OB Dr. Mentrup und Staatssekretärin Dr. Splett. Foto: Fränkle

HIELT REINHOLD-FRANK-GEDÄCHTNISVORLESUNG: Prof. Gross (rechts) mit OB Dr. Mentrup und Staatssekretärin Dr. Splett. Foto: Fränkle

 

Prof. Gross hielt Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesung

Der Karlsruher Rechtsanwalt und Zentrumspolitiker Reinhold Frank ist einem Justizmord zum Opfer gefallen. Dies hat der Präsident der Rechtsanwaltskammer am Bundesgerichtshof, Prof. Dr. Dr. Norbert Gross, bei der Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesung vergangenen Freitag im Ständehaussaal ganz unmissverständlich gesagt.

Mit welcher Begründung der nationalsozialistisch "Volksgerichtshof" mit seinem Vorsitzenden Roland Freißler Frank im Januar 1945 zum Tode verurteilt hat, lässt sich nicht mehr mit Gewissheit feststellen, weil die Ermittlungsakten mitsamt der Urteilsverkündung bei einem Bombenangriff auf das Gerichtsgebäude vernichtet wurde. Freißler selbst starb ebenfalls im Bombenhagel auf Berlin.

Frappierend allerdings war, arbeitete Gross heraus, dass ein Mitangeklagter Franks, der der gleichen "Verbrechen" Hoch- und Landesverrat "beschuldigt" war, freigesprochen wurde. Und das, obwohl jener Albrecht Fischer nach einem erfolgreichen Umsturz gegen Hitler als Beauftragter der dann neuen Machthaber für Baden und Württemberg und Frank "nur" als sein Unterbeauftragter für Baden vorgesehen war.

Ob das Todesurteil gegen Reinhold Frank damit zusammenhing, dass er einen Prozess beim "Volksgerichtshof" wenig vor dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gewonnen und er damit Freißlers Hass auf sich gezogen hat, muss laut Gross Spekulation bleiben.

Noch am Tag seiner Ermordung, dem 23. Januar 1945, hatte sich Frank fröhlich und voller Zuversicht von seinem Karlsruher Anwalt verabschiedet. Am Nachmittag aber war er tot, wie zahlreiche andere unmittelbar oder mittelbar mit dem Anschlag Befasste. Unter ihnen Helmut Graf von Moltke oder der vormalige Württembergische Staatspräsident Eugen Bolz, der wie Frank einer katholischen nichtschlagenden Studentenverbindung angehört hatte. Über Bolz war Frank auch 1943 in Kontakt mit Carl Goerdeler gekommen.

Die Stadt Karlsruhe veranstaltet seit dem Jahr 2000 ihre Reinhold-Frank-Gedächtnisvorlesung. Seit 2009 treten alle Karlsruher Justizeinrichtungen als Mitveranstalter auf. OB Dr. Frank Mentrup und Staatssekretärin Dr. Gisela Splett in Vertretung des Schirmherrn Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonten die Bedeutung immerwährenden Mahnens. -erg-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe