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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. Juli 2015

Wissenschaft: Den Weltfremden Asyl geben

KREATIVITÄT UND VERWALTUNG IM EINKLANG: Peter Weibel, Peter Sloterdijk, Staatssekretär Walter und OB Dr. Mentrup (v.l.). Foto: Fränkle

KREATIVITÄT UND VERWALTUNG IM EINKLANG: Peter Weibel, Peter Sloterdijk, Staatssekretär Walter und OB Dr. Mentrup (v.l.). Foto: Fränkle

 

Verabschiedung von HfG-Rektor Peter Sloterdijk / Philosoph noch zwei Jahre Professor / Führender Intellektueller der Republik

Insgesamt 14 Jahre war Peter Sloterdijk Rektor der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, mit seiner offiziellen Verabschiedung vergangenen Mittwoch ging diese Ära nun zu Ende. Sein Nachfolger wird Siegfried Zielinski, Professor für Medientheorie an der Universität der Künste Berlin.

Karlsruhe hat Heinrich Klotz viel zu verdanken. Der 1999 verstorbene Kunsthistoriker und Publizist gründete und leitete das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und die Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG). Eine einmalige und enge Verbindung von Lehr-, Forschungs- und Ausstellungssituationen. Und er suchte sich Peter Weibel und Peter Sloterdijk als Nachfolger aus. Auch eine einmalige und enge Verbindung.

Der Vorstand des ZKM formulierte es vergangenen Mittwoch so: "Klotz teilte den Mantel. Eine Hälfte bekam Peter Sloterdijk, die andere ich - ein perfect accomplishment." Sloterdijk sei "kein Ego-Shooter", sondern " gebende Hand". Weibel lobte "den enzyklopädischen Horizont von Sloterdijks Wissen" und sein Streben danach, "die Freiheitsgrade der anderen zu steigern".

Freier Sätzemacher

Im Jahr 1992 wurde Peter Sloterdijk als Philosophie-Professor an die HfG berufen (obwohl er eigentlich "freier Sätzemacher" sein wollte), 2001 war er erstmals Rektor, wurde zweimal wiedergewählt. Die Fakten zählte Jürgen Walter auf, Staatssekretär im baden-württembergischen Kunstministerium.

Aber der 68-jährige Sloterdijk geht nicht ganz, er bleibt der Hochschule noch zwei Jahr als Professor für Philosophie und Ästhetik erhalten. Über 40 Bücher habe er geschrieben und zahlreiche Preise erhalten, stellte Walter den in Karlsruhe als Sohn eines Niederländers geborenen Sloterdijk als "führenden Intellektuellen der Republik" heraus.

Auf Stadt ausgestrahlt

Zur Verabschiedung in die HfG gekommen waren unter anderem die Witwe von Heinrich klotz, die ehemaligen baden-württembergischen Minister Dr. Erwin Vetter und Klaus von Trotha, Vertreter anderer Akademien, als Nachbar Generalbundesanwalt Harald Range und als Freund der Maler Anselm Kiefer.

OB Dr. Frank Mentrup dankte Sloterdijk "für das Licht, das Sie auf Institution und Stadt ausgestrahlt haben." Der Denker sei "populär, aber nicht mainstreamig" und "exzentrisch, aber auch anlehnungsbedürftig". Der Hochschulrats-Vorsitzende Dieter de Lazzer gestand ein: "Wir haben Sie als Rektor häufig vermisst". Und so war es nicht verwunderlich, dass seine Sekretärin Monika Theilmann mit Beifall geherzt wurde, als Sloterdijk "der heimlichen Rektorin" einen sommergelben Dankes-Blumenstrauß überreichte.

Sloterdijk nahm es gelassen, philosophisch: "Ich gebe gerne zu, dass es mich nicht gibt" - in Replik auf die Festrede von Ulrich Raulff, der schlussgefolgert hatte: "Sie sind logisch und historisch ein Ding der Unmöglichkeit." Denn eigentlich seien - wie in Schillers "Pegasus im Joche" - Kreativität und Verwaltung nicht dauerhaft in Einklang zu bringen, so der Direktor des Literaturarchivs Marbach. Sloterdijk selbst hat die HfG immer "als Asyl für Personen gesehen, die man auf den ersten Blick als weltfremd erkennt". Und er hofft, dass dieses "Maß an Exterritorialität" atmosphärisch präsent bleibt. -res-

 
 

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