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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. Juli 2015

Kultur: Fragende Blicke auf die Alltagskultur

DURCH BAUZÄUNE  fällt der Blick auf eine Anime-Schultertasche, einen stylischen Helm und Dr. Johannes Kaplans Foto "Karlsruhe - in den Waagschalen Idylle und Reglement". 	Foto: Badisches Landesmuseum

DURCH BAUZÄUNE fällt der Blick auf eine Anime-Schultertasche, einen stylischen Helm und Dr. Johannes Kaplans Foto "Karlsruhe - in den Waagschalen Idylle und Reglement". Foto: Badisches Landesmuseum

 

Leicht kommt sie daher, aber mit fragenden Blicken auf 60 allgegenwärtige wie überraschende Dinge des Alltags und Fotografien von 30 Ein- und Vielheimischen - die hinter Bauzäunen inszenierte Schau "Leben 20.15 - Erinnerungen an heute".

Im Museum beim Markt reflektieren Kuratorinnen des Badischen Landesmuseums bis 8. November die sich wandelnde Alltags-,Willkommens- und Anerkennungskultur des modernen Karlsruhe. Gleichzeitig ist das Publikum zum Punkten aufgefordert - mitzubestimmen, welche der Objekte einst im Museum Normalität wie Design des beginnenden 21. Jahrhunderts repräsentieren sollen. Und das innovative Ausstellungsformat  zu kommentieren.

Zu lesen ist dort bereits: "Wunderbar, regt zur Diskussion an und sich Gedanken zu machen über unsere Zeit. Weiter so."  

Da wird beispielsweise der oft ungeliebte Fahrradhelm zum durchgestylten, den persönlichen Geschmack treffenden Objekt, das nebenbei auch noch Sicherheit bietet. Der abgrundtiefschwarze Majolika-Baustellenbecher kann die persönliche Gefäßsammlung ebenso bereichern wie eine aus zwei Industrieglasflaschen gestaltete Wasserkaraffe. Letztere entspricht zudem ökologischen Ansprüchen wie der Solar Puff, eine durch Sonnenenergie aufladbare, billig herstellbare Lampe oder das aus unverkäuflichem Obst hergestellte Fruchtpapier.

Junge Gastkuratierende der Schau halten die Uhr "casio retro gold" für sammlungswürdig. Auf die von allen geforderte Körperkultur und -pflege  verweisen das Augenbrauenset oder  die Yoga-Matte. Für angesagtes Design stehen der Hidesk, ein kleiner mobiler Schreibtisch oder Slim, die superflache Schlangenleuchte.

Unter den fotografischen, sehr persönlichen Sichtweisen fällt  etwa der ebenfalls zum Denkmal gewordene Flüchtling neben der  Plastik des badischen Innenministers  Georg Ludwig Winter auf  - unter dem Titel "Karlsruhe - Eine Stadt auch für Flüchtlinge?", eingefangen von der  Filmemacherin Ana Rios Garcia. Oder die Hand des alten Menschen in der einer jüngeren Frau, aufgenommen von dem Altenpfleger Abdul Hamid Farkhari: "Karlsruhe - Wo die Fürsorge für alte Menschen noch etwas zählt.

Den 90-teiligen, 14.90 Euro teuren Postkartenkatalog gibt es vor Ort oder unter www.landesmuseum.de.  -cal-

 
 

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