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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. Juli 2015

Zoologischer Stadtgarten: Exotenhaus Kleinod mit enormer Strahlkraft

BLICK in die große Halle des Exotenhauses, bis 2008 Tullabad, deren Lebenswelten zahlreiche  Besucherinnen und Besucher bereits mit Kurzführer in der Hand  erforschen. Foto: Fränkle

BLICK in die große Halle des Exotenhauses, bis 2008 Tullabad, deren Lebenswelten zahlreiche Besucherinnen und Besucher bereits mit Kurzführer in der Hand erforschen. Foto: Fränkle

DAS ROTE BAND durchschnitten OB Dr. Frank Mentrup, Baudezernent Michael Ober und Zoochef Matthias Reinschmidt. Foto: Fränkle

DAS ROTE BAND durchschnitten OB Dr. Frank Mentrup, Baudezernent Michael Ober und Zoochef Matthias Reinschmidt. Foto: Fränkle

 

Rund 2.000 Tiere / Freiflughalle / Fledermaushöhle / Terrarien, Paludarien und Großaquarien

„Mit dem Exotenhaus sind wir in die Champions League vorgestoßen, nach Gondwanaland im Zoo Leipzig ist es das zweitgrößte Haus dieser Art in einem deutschen Zoo“, machte Zooleiter Dr. Matthias Reinschmidt deutlich, wo das Geburtstagsgeschenk zum Zoojubiläum in seiner Bedeutung anzusiedeln ist: Ganz oben in der Attraktivitätsliste von Zoos.

Die Stadtgeschichte zeige, dass besondere Herausforderungen immer wieder durch avantgardistische Lösungen gemeistert wurden, betonte auch OB Dr. Frank Mentrup die Einzigartigkeit bei der Eröffnung am Mittwoch: „Das Tullabad war 1955 beispielgebend für eine völlig neue Hallenbadarchitektur - im ebenso avantgardistischen Exotenhaus lebt nun das Tullabad weiter.“

Unter dem Leitthema „Uferlandschaften“ leben im Exotenhaus rund 2.000 Tiere in etwa 100 Arten - Säugetiere wie Weißgesicht-Sakis, Zweizehen-Faultiere, Rodriguez-Flughunde, Fledermäuse, Krallenaffen und Gürteltiere sowie das Aguti-Paar, das bereits ein Jungtier hat, Vögel - darunter Papageien, Enten- und Taubenarten - samt Reptilien - etwa die hochbedrohten Stumpfkrokodile, fünf Schildkrötenarten, Warane oder Agamen. Zudem Amphibien und über 40 Fischarten, allesamt Süßwasserfische, darunter Piranhas, Regenbogenfische, Harnischwels und Rochen.

Große Lebensgemeinschaft frei lebender Tiere

Die größte Lebensgemeinschaft bilden die frei in der großen Halle lebenden Tiere. Der Rundgang führt über die ehemalige kleine Schwimmhalle mit Schildkröten, Krokodilen und Terrarien vorbei an Volieren durch eine Flusslandschaft und an einem Wasseranschnitt entlang zur Fledermaushöhle. Zu sehen sind weiter Lebensgemeinschaften in Terrarien und Aquarien, bis der Weg zurück in die große Halle führt. Über eine Brücke am „Wasserfall“ erreicht man die Aussichtsebene.

Auch die Abteilung für Zoopädagogik wird mit dem Exotenhaus dank eigener Veranstaltungsräume groß herauskommen. „Mit dem Programm 2016 starten wir durch“, verspricht deren Leiterin Dr. Ulrike Stephan. Das Exotenhaus soll zu einem Ort der Informations- und Wissensvermittlung werden mit Projekten im Arten-, Natur und Klimaschutz. Neben finanzieller Unterstützung bei der Gehegeausstattung werden sich die Zoofreunde Karlsruhe an der Exotenhaus-Ausstattung für Gruppen beteiligen.

Eigene Projekte zum Artenschutz

Auch mit eigenen Projekten wird sich der Zoo als Artenschutzzentrum weltweit einbringen, so Zoo-Vize Dr. Clemens Becker. Bereits  eingefädelt hat er dies 2014 zusammen mit der KEK für das Exotenhaus, das die Verbindung schafft zu einem Artenschutzprojekt in Ecuador in Mindo Lindo und nun zum Laufen gebracht werden soll: mit Ökozentren, Engagement vor Ort zur Arterhaltung einschließlich Wiederaufforstung von Weidenland.

Eine besondere Herausforderung stellt die Pflege des Grüns für das Team um Gartenmeister Roland Boger vom Gartenbauamt dar. Schließlich koexistieren im Exotenhaus Pflanzen mit recht unterschiedlichen Ansprüchen. Es gilt, jeden Tag ein Auge auf die Pflanzen zu haben, damit so Prachtexemplare wie Baumfarne, Lansibaum  oder auch der Uferbewuchs gedeihen. Nützlinge sollen Schädlinge in Schach halten.

Das Tullabad wurde 2008 geschlossen und in Regie der städtischen Hochbau- und Gebäudewirtschaft für 21 Millionen Euro von Oktober 2012 bis Juni 2015 umgebaut und für die Nutzung des Zoos ausgestattet. Als kompetente Partner mit an Bord waren das Architekturbüro Kern als Bauleitung sowie für die Umsetzung des Lebensraums Uferlandschaft das Architekturbüro Stendal und das Büro Kreikenbaum und Heinemann.

Das Exotenhaus im Internet: www.karlsruhe.de/zoo.

Übersichtsplan und Kurzführer

Das neue Indoor-Angebot des Zoos hat wie alle Tierhäuser im Sommer von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Winter von 10 bis 17 Uhr. Ein Übersichtsplan an mehreren Stellen des rund 450 Meter langen Rundwegs erleichtert die Orientierung. Gäste finden diesen auch als Flyer am Eingang des Exotenhauses. Zudem können sich Interessierte den Plan bereits vor ihrem Besuch auf der Homepage des Zoologischen Stadtgartens herunterladen. Alle Tierarten werden im Haus selbst beschrieben. Ein Kurzführer stellt zudem einzelne Tiere vor. Im Gebäude gibt es Toiletten, darunter auch eine barrierefrei zugängliche. Das Exotenhaus ist über Wege sowie zwei Aufzüge auch barrierefrei zu erkunden. -rie-

 
 

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