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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Oktober 2015

Armut: Risiko konstant

Fachleute diskutierten Auswirkungen von Hartz IV

Hartz IV spaltet die Fachwelt. Die umstrittenste Sozialreform der letzten 50 Jahre ist für die einen ein „Jobwunder“, für andere per Gesetz verordnete Armut.

2005 wurden Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II zusammengefasst und in gemeinsamen Jobcentern von Kommunen und Arbeitsagentur verwaltet. Unter dem Titel „Zehn Jahre Reformen am Arbeitsmarkt - Rückblick und Ausblick“ diskutierten 150 Fachleute während einer Tagung von Stadt und Liga der freien Wohlfahrtspflege im Rahmen der landesweiten Aktionswoche „Armut bedroht alle“, was Hartz IV gebracht hat.

Referent Michael Löher, Vorstand des Vereins für öffentliche und private Fürsorge, plädierte bei der Pressekonferenz im Vorfeld für eine differenzierte Betrachtungsweise der „Erfolgsgeschichte mit Risiken und Nebenwirkungen“, so die Überschrift seines Vortrags im Albert-Schweitzer-Saal. Was zunächst beklatscht wurde, „hat eine Kehrseite“, sagte Liga-Vorsitzende Ulrike Sinner, die Regelsätze seien „haarscharf an der Grenze der Menschenwürdigkeit“ und die Reform befördere Niedriglöhne.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit habe es neue Spielregeln gebraucht, war der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt, Ingo Zenkner, überzeugt. Heute herrsche nahezu Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit sei mehr ein strukturelles, denn ein konjunkturelles Problem. Der seit vier Jahren stagnierenden Sockelarbeitslosigkeit lasse sich nur mit einer „Qualifizierungsoffensive“ begegnen, aber „nicht als Anzug von der Stange, sondern nach Maß“.

Wie vor zehn Jahren sind auch aktuell in Karlsruhe rund 11.000 Bedarfsgemeinschaften auf soziale Grundsicherung angewiesen, nannte Bürgermeister Martin Lenz Zahlen. Dem müsse man sich trotz aller Bemühungen stellen. Aber - und das stimmte ihn leicht optimistisch - immerhin lebten nicht mehr 5.500 Kinder in Armut, sondern nur noch 5.000. -maf-

 
 

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