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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Oktober 2015

Karlsruher Forum: Wie wollen wir leben?

OLE SCHEEREN: Nach zehn Jahren war der international renommierte Architekt zum ersten Mal wieder in seiner Heimatstadt. Foto: ONUK

OLE SCHEEREN: Nach zehn Jahren war der international renommierte Architekt zum ersten Mal wieder in seiner Heimatstadt. Foto: ONUK

 

Interdisziplinäre Tagung zum Thema Stadt der Zukunft / Für Architektur, die berührt

„Stadtwelten – Heimat der Zukunft“ lautete der Titel der jüngsten Tagung des Forums für Kultur, Recht und Technik. Sie bot vorigen Donnerstag rund 300 Teilnehmern spannende Vorträge und Diskussionen. Auch der weltbekannte Architekt und gebürtige Karlsruher Ole Scheeren war ins ZKM gekommen.

Immer mehr Menschen leben in Städten und die Städte stehen vor immer größeren Herausforderungen. Dazu zählen der demographische Wandel, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit, Mobilität oder Bildung. Und es ist heute wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie die Stadt von morgen aussehen soll.

Deshalb hatte das Karlsruher Forum für Recht, Kultur und Technik Soziologen, Künstler und Architekten eingeladen. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup fragte in seiner Begrüßung: „Wie gelingt es uns die Stadt der Zukunft so zu gestalten, dass sie mehr ist als ein Ort, an dem man mehr oder weniger zufällig lebt?“ Sein Ideal ist ein „harmonisches Ganzes, das das Gefühl Heimat entstehen lässt.“

Einen Ort, der dieses Gefühl eher nicht entstehen lässt, stellte die Berliner Architektursoziologin Martina Löw vor. Die Retortenstadt Songdo in Südkorea, deren Konzept bereits zwei Mal nach China verkauft wurde. In dieser Smart City wird der Alltag durch Computer kontrolliert. Jeder Einwohner kann jederzeit identifiziert und lokalisiert werden. Von „Differenz und Vielfalt der Möglichkeiten“, die Löw als Kennzeichen einer Stadt sieht, kann hier eher nicht die Rede sein. Denn diese „city in a box“ wird überall gleich aussehen.

Doch wie bauen in der „Welt der Datenbanken“ (Georg Vrachliotis) und im „Zeitalter der Beschleunigung“ (Ole Scheeren)? Löw wünscht sich statt „gerechneter Architektur“ eine „Architektur, die uns berührt“. Und auch Ole Scheeren, dessen bekannteste Gebäude das China Central Television Headquarter in Peking und das Wohnprojekt The Interlace in Singapur sind, beklagt, dass „Architektur heute ausschließlich vom Privatkapital bestimmt wird“.

Der ehemalige Schüler des Goethe-Gymnasiums, der heute sein eigenes Architekturbüro in Peking und Hongkong führt (ab November auch Berlin) plädiert dafür „Strukturen zu schaffen, in denen es auch um Ge­meinschaft geht.“ Der Sozialraum solle im Zentrum der Architektur stehen, so der frühere Direktor des Architekturbüros von Rem Koolhas in Rotterdam.

Für Oliver Will, Geschäftsführer der Strategiemanufaktur Karlsruhe, sollte die Stadt der Zukunft „technische und soziale Innovationen verbinden.“ Er wünscht sich eine „Kultur der Kooperation“ und im Hinblick auf das Thema Smart City „atmosphärische Erlebbarkeit“. Für Karlsruhe hat er die Vision einer „First Safe Smart City“. -res-

 
 

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