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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Oktober 2015

Deportationen: Hinsehen statt wegschauen

Zeitzeugen des Lagers Gurs berichten / Schicksal als Mahnung für die Nachfolgenden

Am Morgen des 40. Oktober 1940 standen NS-Schergen vor der Tür. Trieben ihn und seine Familie wie Hunderte anderer Karlsruher Juden aus der Wohnung, hin zum Hauptbahnhof. Abends wurden sie allesamt in Züge verfrachtet und nach Gurs verschleppt.

Paul Niedermann war damals zwölf Jahre alt. Hunger, Kälte, Krankheit, Schikane und tiefer Morast prägten den Alltag im Lager. Vor allem der Tod von am Ende über 1.000 Gefangenen, die völlig entkräftet starben. Davon erzählt der 87-Jährige nachfolgenden Generationen seit vielen Jahren. Im Sinne eines „Nie wieder“.

So auch am Montag im Rahmen der Gedenkveranstaltung in Gurs. Im Zeitzeugengespräch mit Dr. Susanne Asche wie auf dem Rundgang durch das Gelände des ehemaligen Lagers mit Teilnehmern eines vom Bezirksverband Pfalz organisierten Jugend-Workshops. „Die Erinnerung kommt in mir immer wieder hoch“, sagt er da. Und will „so lange ich kann“ von seinem Schicksal weiter berichten, Jugendliche zur Wachsamkeit ermuntern.

Eva Mendelssohn war bei der Deportation erst 9 Jahre alt. Sie schildert den Alltag in den Barracken, spricht von Läusen, Gelbsucht und Ruhr. Und davon, wie ihre Mutter 1942 weiter nach Auschwitz in die Gaskammer verschleppt wurde. Sie habe ihre Kinder zurück gelassen. „Und damit das Allergrößte getan, was sie für uns tun konnte“.

Margot Wicki-Schwarzschild erlebte ebenfalls schon als 9-Jährige das Elend im Lager, den Tod noch jüngerer Kinder. Ihren Vater transportierten die Nazis später in ein Vernichtungslager des Ostens. Ihre Mutter, sie und ihre Schwester wurden „dank der mutigen Intervention einer Schweizer Schwester“ von der Todesliste gestrichen. Wie Niedermann sind ihr Hass oder Verbitterung fremd. Verantwortung umso wichtiger. „Nicht vergessen, hinsehen statt wegschauen, handeln statt schweigen“ gibt sie den Jugendlichen mit auf den Weg. -trö-

 
 

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