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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. November 2015

Gedenken Reichspogromnacht: Ein Sieg der Courage?

„Frauen der Rosenstraße“ bei Tollhaus-Veranstaltung

„Hätten mehr Nicht-Juden seinerzeit ,Nein!‘ sagen und so die Katastrophe des 20. Jahrhunderts verhindern können? Und wie würden wir uns heute in der Situation verhalten?“ Unbeantwortet gebliebene Fragen, mit denen der evangelische Co-Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Karlsruhe, Ulrich Schadt, die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 eröffnete.

Im Februar 1943, knapp fünf Jahre nach der Pogromnacht, hat die SS rund 10.000 jüdische Zwangsarbeiter in der so genannten Fabrikaktion von ihren Berliner Arbeitsstellen in verschiedene Lager gebracht und von da aus in die Vernichtungslager deportiert. Bei einem der Lager erlitten die Nazis jedoch eine Niederlage – ein Sieg von Leben und Widerstand: Nicht-jüdische Frauen und Mütter der gefangenen Juden hatten sich vor der ehemaligen jüdischen Sozialverwaltung in der Rosenstraße versammelt und tage- und nächtelang lautstark die Freilassung ihrer Männer und Söhne gefordert. Bis diese nach rund einer Woche tatsächlich freikamen.

Für die diesjährige Gedenkveranstaltung der GCJZ und anderer Akteure hat Jutta Berendes in bewährter Weise die Texte verfasst und Regie geführt, Bildeinspielungen kamen von Yves Bara, das Schlagzeug bediente Hans-Dieter Räuber.

Birgit Bücker, bis 2002 zwölf Jahre lang Ensemblemitglied des Badischen Staatstheaters und seit 2010 fest am Theater Baden-Baden, stellte als Erzählerin eine der mutigen Frauen dar. Sie ließ das Publikum im vollbesetzten Tollhaussaal am Schicksal ihrer Familie teilnehmen – bis hin zur keineswegs von Jubel geprägten Stimmung nach der Freilassung. Die anderen Frauendarstellerinnen kamen aus der Statisterie des Staatstheaters.

Stefan Viering, der schon an vielen Theatern und beim Fernsehen arbeitete und in Karlsruhe lebt, gab alle männlichen Rollen. So war er der Jude, der von seiner Gemeinde zur Bewachung seiner Glaubensbrüder zwangsverpflichtet wurde, der SS-Scherge, der die Frauen lautstark zur Aufgabe aufforderte und der schließlich den Rückzug anordnende SS-Offizier. -erg-

 
 

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