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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 20. November 2015

Städtetags-Kongress: Kollaborativ statt isoliert

ANAOLOG UND DIGITAL AUF EINER BÜHNE: Bei der Podiumsdiskussion des Städtetags Baden-Württemberg zur Zukunft der Stadt war Jeremy Rifkin aus Washington visuell zugeschaltet. Foto: Fränkle

ANAOLOG UND DIGITAL AUF EINER BÜHNE: Bei der Podiumsdiskussion des Städtetags Baden-Württemberg zur Zukunft der Stadt war Jeremy Rifkin aus Washington visuell zugeschaltet. Foto: Fränkle

 

Südwestdeutsche Städte beginnen Diskurs zu Thema Zukunft / Vortrag von Jeremy Rifkin

Informations- und Kommunikationstechnologien sind schon lange aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber wie sieht die Stadt der Zukunft aus und was bedeutet die digitale Revolution für die Kommunen? Diese und ähnliche Fragen hatten sich am Montag der Städtetag Baden-Württemberg für seinen Kongress „Die europäische Stadt – Stadt in Europa“ auf die Fahnen geschrieben.

Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte der gut besuchte Kongress in der Stadthalle. Darunter Mitglieder der Interessenvertretung der südwestdeutschen Städte sowie Gastverbände aus Bayern und Österreich. Auf dem Programm standen ein Vortrag des US-ameri­kanischen Zukunftsvisionärs Jeremy Rifkin, eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der europäischen Stadt sowie Thementische unter anderem zur Frage, wie Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Hier warnte Städtetags-Geschäftsführerin Gudrun Heute-Bluhm vor einer „Ghettoisierung“, etwa in „Trabantenstädten nur für Flüchtlinge“. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses schlossen sich außerdem der europaweiten Schweigeminute für die Opfer von Paris an.

Hauptredner Jeremy Rifkin hatte seine persönliche Teilnahme am Kongress abgesagt, war aber live und lange per Video zugeschaltet. Der Soziologe und Berater vieler Regierungen sieht folgende Punkte als entscheidend für die Zukunft der Städte an: neue, nicht zentralistisch organisierte Kommunikationstechnologien, neue Energieträger, neue Verkehrssysteme sowie Datensicherheit. Außerdem werde sich als neues ökonomisches System die kollaborative Wirtschaft durchsetzen - also teilen statt besitzen.

Für die meisten Zuhörerinnen und Zuhörer dürfte das nichts Neues gewesen sein. Deutschland arbeitet schon länger an der Energiewende, nirgendwo sonst gibt es bundesweit so viele Carsharing-Nutzer wie in Karlsruhe, erst kürzlich fand in der IHK ein Kongress zum Thema Share Economy statt. In der Fächerstadt haben das Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL am KIT) sowie die Karlsruher IT-Sicherheits­initiative ihren Sitz und derzeit wird an einer „Karlsruher Erklärung zur digitalen Souveränität“ gearbeitet.

Während sich der nur kurz anwesende EU-Kommissar Gü­nther Oettinger sowie Claudia Nemat von der Deutschen Telekom in der zähen Podiumsdiskussion eher mit dem Thema Infrastruktur beschäftigten, lenkte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup den Blick darauf, dass Städte sich als Gemeinschaften be­greifen und Partizipationsmöglichkeiten für ihre Einwohner anbieten sollten. Auch angesichts der Angst vor ungeschützten Daten. Ole Scheeren hält die „soziale Dimension der Stadt“ ebenfalls „für ungeheuer wichtig“. Der International be­kannte Architekt machte sich dafür stark, „nicht Isolation sondern Gemeinschaft ins Zentrum zu stellen“. -res-

 
 

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