Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. November 2015

Ausstellung im Generallandesarchiv: „Was damals Recht war …“

 

Wie Wehrmachtsgerichte Soldaten und Zivilisten unbarmherzig disziplinierten

Über die Opfer der Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg vor mehr als 70 Jahren informiert bis 1. April im Generallandesarchiv die Ausstellung „Was damals Recht war … Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“.

Ihr Titel bezieht sich auf eine Äußerung des früheren Ministerpräsidenten Hans Filbinger, der als Marinerichter an Todesurteilen gegen Wehrmachtsangehörige beteiligt gewesen war und bis zuletzt uneinsichtig blieb: „Was damals rechtens war, kann heute nicht unrecht sein.“

Zu der Wanderausstellung der Berliner Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die viele tragische Einzelschicksale beleuchtet, hat der Karlsruher Archivar Martin Stingl badische Lebensgeschichten ergänzt. Etwa die des Soldaten Heinz Witte, der von Judenerschießungen in seinem Operationsgebiet erfuhr, das im Bewusstsein eines sauberen Krieges nicht glauben wollte, und es daher über Militärleitung nach Berlin melden wollte.

Die gab das aber auch an seinen Vorgesetzten weiter. Wegen Blockierens einer militärischen Telefonleitung wurde Witte für „Wehrmittelbeschädigung und Dienstpflichtverletzung“ zu zwei Jahren Haft verurteilt, danach in gefährliche Einsatzkommandos versetzt. Nach Kriegsende wurde sein Antrag auf Haftenschädigung mehrfach abgelehnt. 1989 starb Witte ohne Rehabilitierung in der Fächerstadt.

Richter wie der führende NS-Experte für Militärstrafrecht, Erwin Schwinge, nach 1945 Rektor der Uni Marburg und Bundestagsgutachter, setzten ihre Karriere fort, im Gegensatz etwa zu Heinrich Hehnen, der auch milde Urteile gefällt hatte und als Rechtsanwalt weiter arbeitete.

Insgesamt verhängte die NS-Militärjustiz zur Disziplinierung der Soldaten 30.000 Todesurteile, von denen 20.000 vollstreckt wurden, während es bei den Briten 40 und den Amerikanern 146 waren. Erst nach einem aufsehenerregenden Urteil des Bundesgerichtshofs von 1995 hob der Bundestag 2002 einen großen Teil der Urteile aus den Jahren 1939 bis 1945 auf. Programm und mehr: www.landesarchiv-bw.de/glak -cal-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe