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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Dezember 2015

Gemeinderat: Nach zehn Jahren Debatte

JAHRELANG UMKÄMPFT: Der Gemeinderat hat sich mehrheitlich für das Landschaftsschutzgebiet Gießbachniederung/Im Brühl ausgesprochen. Landwirtschaftlicher Betrieb soll möglich bleiben. Foto: Fränkle

JAHRELANG UMKÄMPFT: Der Gemeinderat hat sich mehrheitlich für das Landschaftsschutzgebiet Gießbachniederung/Im Brühl ausgesprochen. Landwirtschaftlicher Betrieb soll möglich bleiben. Foto: Fränkle

 

Gießbachniederung/Im Brühl: Gemeinderat für die Ausweisung des 331 Hektar großen Landschaftsschutzgebietes

Nach dem positiven Votum des Gemeinderats zur Landschaftsschutzgebietsverordnung „Gießbachniederung/Im Brühl“ kann sie OB Dr. Frank Mentrup als Chef der Unteren Naturschutzbehörde nun per Unterschrift und Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft setzen.

Alle Fraktionen und Gruppen des Gemeinderats mit Ausnahme der CDU, von der nun auch die 13 Gegenstimmen kamen, hatten sich wie sämtliche Ortschaftsräte seit Jahren dafür ausgesprochen, das Gebiet nordwestlich von Grötzingen und nördlich des Pfinzentlastungskanals unter Landschaftsschutz zu stellen.

Ziel ist, die größte zusammenhängende Freifläche der Kinzig-Murg-Rinne von 331 Hektar zum Schutz des Landschaftsbildes und der Kulturlandschaft mit Streuobstwiesen und Feldhecken sowie als Lebensraum für geschützte Tierarten und als Frischluftentstehungsgebiet zu bewahren. Dazu kommt die Vernetzung mit angrenzenden Biotopen. Charakteristisches wie die Grabensysteme sollen erhalten bleiben.

Um ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu lassen, wurden die Höfe von Pferdehaltern und Landwirten in den Gewannen Im Brühl und Dürre Wiesen sowie entlang der Straße Am Viehweg und Bruchwaldstraße samt Pufferflächen ausgenommen. Um im Dialog zu bleiben, soll ein Schutzgebietsbeirat, ähnlich dem runden Tisch für die Burgau, dem Vertreter aller Interessensgruppen sowie der Verwaltung angehören, entstehen. Weiterhin ist also die Ausübung einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft sowie von Form- und Pflegeschnitten möglich. Für bestandsverändernde Maßnahmen wie den Umbruch von Wiesen oder die Entfernung von Gehölzen braucht es jedoch eine Erlaubnis.

Der OB freute sich über den konstruktiven Dialog zwischen Landschaftsschützern und Landwirten. Es sei ihm „wichtig, Pflege-, Schutz- und Erholungsmaßnahmen in der bestehenden Landschaft zu betonen“. Dass die Bauernhöfe raus seien, fand Thorsten Ehlgötz (CDU) zwar richtig, aber ansonsten „behindere die ideologisch geprägte Vorlage die Ansiedlung von Gewerbe“, begründete er das Nein der Christdemokraten. Michael Zeh (SPD) begrüßte nach „zehnjähriger Vorgeschichte den Ausgleich von Landwirten und Pferdehaltern und sah künftig noch viele Aufgaben wie Pflegemaßnahmen und Gewässerschutz.

Dass nun Gewerbeansiedlungen vom Tisch sind, darüber war die Fraktionschefin der Grünen, Bettina Lisbach, „froh“. Es handle sich um ein „überregional bedeutsames Brut- und wichtiges Naherholungsgebiet“, für dessen Ausweisung es eines langen Atems bedurft hätte. Wie alle hofft Erik Wohlfeil (KULT) auf künftig „wenig Konflikte“. Er hätte sich im Gewann Kleine Wiesen und Herdwegwiesen auch Gewerbe vorstellen können, hielt die Entstehung von Kaltluft für nachrangig. Für die gefundene Lösung sprach sich auch Jürgen Wenzel (FW) aus. -cal-

 
 

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