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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Dezember 2015

Wissenschaft: Vollvernetzt und fahrerlos

ALLES IM GRIFF: Automobil-Pionier Carl Benz studierte von 1860 bis 1864 am Polytechnikum Karlsruhe, heute KIT. Foto: Stadtarchiv

ALLES IM GRIFF: Automobil-Pionier Carl Benz studierte von 1860 bis 1864 am Polytechnikum Karlsruhe, heute KIT. Foto: Stadtarchiv

 

Carl-Benz-Gedenkvorlesung 2015 / KIT erinnert an Karlsruher Automobil-Pionier / Visionen für Mobilität der Zukunft

Immer Ende November veranstaltet das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Carl-Benz-Gedenkvorlesung zu Ehren des am 25. November 1844 in Mühlburg geborenen Automobil-Pioniers. Dieses Jahr stellten Daimler und Google vor, wie sie sich die Zukunft der Mobilität vor¬stellen: vernetzt und fahrerlos.

Als Carl Benz seinen Motor­wagen Nummer 1 1886 zum Patent anmeldete, war an Navigationssysteme, Einparkhilfen oder gar fahrerloses Fahren noch lange nicht zu denken. Der Verbrennungsmotor wurde per Schwungrad gestartet, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 16 Kilometern pro Stunde und die Fahrgäste saßen an der frischen Luft.

Und dennoch war dieses dreirädrige Gefährt aus Stahlrohr das erste Automobil im eigentlichen Sinne - ein Wagen, der sich selbst fortbewegte. Heute sind sowohl Ansprüche als auch Selbstverständnis der Automobilhersteller anders. Die Daimler AG etwa, die 1926 als Daimler-Benz-AG gegründet wurde, sieht sich als „vernetzter Mobilitätsdienstleister“, wie Sajjad Khan vergangenen Donnerstag im überfüllten Tulla-Hörsaal erläuterte.

Das Auto, so der bei Daimler für Digital Vehicle and Mobility Verantwortliche, soll Teil des „24-Stunden Digitallebens“ der Menschen werden. Als fahrerloses, rollendes Büro oder Wohnzimmer. Eine vollvernetzte Komfortkapsel, die meinen Musikgeschmack und natürlich auch die Verkehrslage kennt. Und den Wecker vorausschauend so einstellt, dass ich mit dem Auto pünktlich zur Arbeit komme.

Google brachte bereits 2009 die ersten fahrerlosen Autos testweise auf die Straße, wie dessen Leitender Ingenieur Dmitri Dolgov berichtete. Auch sein Unternehmen will, dass die Menschen „sicherer an ihr Ziel kommen“ und unter dem Strich mehr Zeit haben. Dafür muss das von Google entwickelte Auto mit Kameraring auf dem Dach sowie Rundum-Radarsystem komplexe, uns Menschen wohlbekannte Fragestellungen bewältigen: Wo bin ich? Wo will ich hin? Wer ist noch da und wie lange wie weit von mir entfernt? Was soll ich als nächstes tun?

Das Googlemobil kann allerdings nur in solchen Bereichen fahren, für die es auch digitale Karten gibt. „Und wer ist verantwortlich, wenn ein Unfall passiert?“, wollte ein Student wissen. „Google“, antwortete der extra aus Kalifornien angereiste Dolgov. Aber daran, dass immer mehr Autos immer mehr Stau verursachen, können auch fahrerlose Systeme nichts ändern.

Wie gut, dass es am KIT das Zentrum für Mobilitätssysteme gibt. Hier arbeiten über 37 Institute an der Mobilität der Zukunft. Laut New Yorker Institute for Transportation & Development ließen sich die Energie­kosten im globalen Verkehr um bis zu 24 Billionen Dollar senken, würde der Radverkehr weltweit bis zum Jahr 2050 verdreifacht. -res-

 
 

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