Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 25. Dezember 2015

Flüchtlinge: Ohne Ehrenamt wäre alles nicht zu stemmen

VOLLBESETZTE RÄNGE BEIM BÜRGERFORUM zu Flüchtlingen in Karlsruhe im Südwerk. Knapp drei Stunden diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das brisante Thema.

VOLLBESETZTE RÄNGE BEIM BÜRGERFORUM zu Flüchtlingen in Karlsruhe im Südwerk. Knapp drei Stunden diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das brisante Thema.

 

Informationen aus erster Hand zu Sicherheit, Unterbringung und Engagement / Gut besuchtes Bürgerforum / Fortsetzung geplant

Unkenntnis schürt Ängste, Fakten schaffen Klarheit. Über „Flüchtlinge in Karlsruhe“, deren Unterbringung, Sicherheit und ehrenamtliches Engagement informierte „aus erster Hand“ ein Bürgerforum im „Südwerk“. 400 Interessierte kamen zur Veranstaltung von Stadt, Regierungspräsidium und Polizeipräsidium.

Das Regierungspräsidium (RP) verantwortet elf über das Stadtgebiet verteilte Unterkünfte verschiedenen Zuschnitts. Kam das Gros der Flüchtlinge noch zu Jahresbeginn aus dem Westbalkan, so stellten aktuell Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak mit 60 Prozent den Löwenanteil, informierte Referatsleiter Dr. Martin Steffens. Als Erstaufnahmestadt habe Karlsruhe einen Sonderstatus, sei „privilegiert“ betonte OB Dr. Frank Mentrup. Die Flüchtlinge würden weiterverteilt und blieben nur kurz. Damit sei Karlsruhe „noch befreit von dauerhafter Unterbringung“, bekäme „keine Kontingente zugewiesen“. Mentrup würdigte die Arbeit der 3.000 Ehrenamtlichen, ohne die alles nicht zu stemmen wäre.

Viele von ihnen waren im Publikum, stellten Fragen. Wie es um die Beschulung von Flüchtlingskindern und ihr Recht auf Bildung stehe, wollte eine Teilnehmerin wissen und erfuhr, dies sei eine politische Entscheidung des Landes. Ob der angespannte Wohnungsmarkt künftig noch enger würde, war eine andere Sorge. Kritisiert wurde auch, dass in den Unterkünften Sicherheitskräfte ins Zimmer kämen ohne vorher anzuklopfen. Eine weitere Wortmeldung betraf die Sicherheit. Sie habe „Erfahrungen gemacht, die nicht gut sind“, berichtete eine Frau von Vorkommnissen in der Innenstadt und davon, dass ihre Tochter bedroht worden sei.

Subjektives Empfinden versus objektive Lage

Polizeipräsident Günther Freisleben kennt die Brennpunkte und ergreift vielerlei Maßnahmen. Subjektives Empfinden spiegle aber nicht immer die objektive Lage. Laut Kriminalstatistik gingen Sexualdelikte und Wohnungseinbrüche deutlich zurück, während Diebstähle oder Körperverletzung anzögen. Der Anteil tatverdächtiger Asylbewerber steige. Waren es 2012 noch 4,9 Prozent „dürften es 2015 wohl 20 bis 25 Prozent sein“, nannte Freisleben als Beispiel Verstöße gegen das Asylverfahrens- und Ausländergesetz, Betäubungsmitteldelikte, Autoaufbrüche oder durch Lagerkoller verursachte Schlägereien. Negativ wirke sich in der öffentlichen Wahrnehmung das Auftreten der Flüchtlinge in Gruppen und ihr teils respektloses Verhalten Frauen gegenüber aus.

Gleichwohl seien mit etwa drei Prozent nur wenige Asylbewerber polizeilich auffällig. Diese wenigen brächten die anderen „mit vielen Straftaten in kurzer Zeit“ in Misskredit, ebenso Gerüchte und bewusste Falschmeldungen, „da muss man dagegen halten“. Das Gefühl, „es könnte etwas passieren, verstärkt sich“, beobachtet der Ombudsmann für Flüchtlingsfragen im Integrationsministerium, Karl-Heinz Wolfsturm, bei Gesprächen landauf landab. Immer öfter höre er „man darf dieses oder jenes nicht mehr laut sagen“. „Doch, darf man“, so der Vermittler in alle Richtungen, nicht aber „wenn es völlig daneben ist.

Enorme Hilfsbereitschaft

Die Hilfsbereitschaft der Karlsruherinnen und Karlsruher ist enorm und stellt die Flüchtlingshilfe als lokale Koordinatorin auch wegen fehlender Lagerkapazitäten zunehmend mehr vor organisatorische und logistische Probleme. Das Bündnis betreibt in den Unterkünften Kleiderkammern und Teestuben, macht Freizeitangebote und bietet Kinderbetreuung. Allerdings gebe es in der Zusammenarbeit mit dem RP noch „Luft nach oben“, meinte deren Vertreterin Alex Janda, man wolle als „Partner auf Augenhöhe“ wahrgenommen werden. Ehrenamtliche bildeten das „Schmiermittel der Gesellschaft“, zögen sie sich zurück, drohe ein Vakuum. Für OB Frank Mentrup war der Abend Auftakt zu weiteren Veranstaltungen. -maf-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe