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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 25. Dezember 2015

Kultur: Ein Bild von sich kreieren

AUGE IN AUGE MIT DEM KÜNSTLER: Unverwandt und mit intensivem Blick fixiert Louis Janmot den Betrachter. Foto: pr

AUGE IN AUGE MIT DEM KÜNSTLER: Unverwandt und mit intensivem Blick fixiert Louis Janmot den Betrachter. Foto: pr

DIE BRITIN SARAH LUCAS mit Spiegeleiern (1996). Foto: pr

DIE BRITIN SARAH LUCAS mit Spiegeleiern (1996). Foto: pr

JOHN PATRICK BYRNE in geblümter Jacke. Foto: pr

JOHN PATRICK BYRNE in geblümter Jacke. Foto: pr

 

In Kunsthalle „Ich bin hier!“ / Von Rembrandt zum Selfie

Seht her, ich existiere. Sich seines Selbst zu vergewissern und es bildnerisch festzuhalten, ist kein neues Phänomen. Zwar mag die Selfie-Bilderflut der Generation Smartphone diesen Eindruck vermitteln, aber Selbstporträts sind schon immer Teil der europäischen Kunstgeschichte.

Seit dem 14. Jahrhundert kreieren Künstler ihr eigenes Bild, setzen sich in Szene, wachen über ihr Image. Die Ausstellung „Ich bin hier! Von Rembrandt zum Selfie“ in der Staatlichen Kunsthalle zeigt als Kooperation mit dem Musée des Beaux-Arts (Lyon) und den National Galleries of Scotland (Edinburgh) noch bis Ende Januar 140 Werke von 100 Künstlern aus sechs Jahrhunderten. Sie spanne den Bogen laut Pressetext von der frühen Selbstvergewisserung des Künstlers in der Renaissance, den üppigen Zurschaustellungen im Barock und der empfindsamen Subjektivität in den Bildern der Romantik über die schonungslose Sicht auf das Selbst in der Moderne bis zur obsessiven Befragung des Ich in jüngeren Medien wie Fotografie und Video.

„Ich bin hier“ versammelt Werke von Palma Vecchio, Gustave Courbet, Anselm Feuerbach, Ernst Ludwig Kirchner, Henri Matisse, Max Beckmann, Andy Warhol, Marina Abramović, Tracey Emin, Annie Lennox oder Ai Weiwei. Dabei präsentiere das EU-Projekt aus den Sammlungen dreier Häuser nach den Worten von Kunsthallen-Direktorin Prof. Dr. Pia Müller-Tamm „nicht nur die klassische Gattungsgeschichte“ im zeitlichen Nacheinander, sondern „vielfältige Erweiterungen“.

Das Kuratoren-Team Dr. Alexander Eiling und Dr. Dorit Schäfer setzt Werke epochenübergreifend miteinander in Beziehung, bildet spannende „Wahlverwandschaften“. So trifft etwa Eurythmics-Sängerin Annie Lennox auf den provokativen Meister des Realismus Gustave Courbet oder der 1829 geborene deutsche Maler Anselm Feuerbach auf das Enfant Terrible der Fotografie der 80er Jahre Robert Mapplethorpe.

Wie sich Künstler darstellen, kann sich über Jahrhunderte hinweg ähneln. Eine eigenwillige Versuchsanordnung, die zum Verlassen eingeübter Sehpfade animieren solle, so die Kuratoren. Wichtig war ihnen auch, Besucherinnen und Besucher direkt zu beteiligen. Die vom Zentrum für Medientechnologie (ZKM) beigesteuerten Kunstprojekte Flick_EU und Flick_EU-Mirror erlauben, sich mit Hilfe eines Automaten fotografieren zu lassen und anschließend Teil eines kosmopolitischen Porträts zu werden. Der Katalog ist im Museumsshop für 29 Euro zu haben. Am 24. und 31. Dezember macht die Kunsthalle Pause, am 1. Januar öffnet sie ab 13 Uhr. -maf-

 
 

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