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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Februar 2016

Irgendwie nicht von dieser Welt

SCHWERE SEE: Elger Essers Werk „176 Boulogne-sur-Mer“ von 2005. Es stammt aus der Serie „Ansichten“. Foto: pr/Kunsthalle

SCHWERE SEE: Elger Essers Werk „176 Boulogne-sur-Mer“ von 2005. Es stammt aus der Serie „Ansichten“. Foto: pr/Kunsthalle

 

Oskar-Schlemmer-Preis an Elger Esser / Ausstellung „Zeitigen“ in der Kunsthalle

Es tut so gut. Elger Esser nimmt sich Zeit. Er komponiert seine Fotografien sorgfältig, arbeitet mit einer großformatigen Plattenkamera, mit Langzeitbelichtung, Unschärfe, farblicher Verfremdung, nutzt Edeldruckverfahren wie die Heliogravüre und schafft betörend schöne, eigen- und altertümliche Bilder.

Inmitten „einer von manischen Knipsern geprägten Selfie-Generation“ sei das etwas „ganz und gar Ungewöhnliches“, sagte Kunststaatssekretär Jürgen Walter am vergangenen Freitag bei der Verleihung des Oskar-Schlemmer-Preises an den 1967 in Stuttgart geborenen Künstler. Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung des Landes dient der Förderung zeitgenössischer Kunst. Elgers Bilder seien „weit entfernt von den digitalen Bildwelten des Internets oder der Ästhetik werbewirksamer Hochglanzfotografie“, so Walter. Für die Kunsthalle sei Fotografie ein eher ungewöhnliches Medium, erklärte Direktorin Dr. Pia Müller-Tamm, bei genauerer Betrachtung jedoch fügten sich Essers Werke vorzüglich in das durch Malerei und grafische Künste geprägte Profil des Hauses.

Nicht von dieser Welt scheinen die acht fotografischen Zyklen, die der Meisterschüler Bernd Bechers an der Düsseldorfer Kunstakademie und Professor an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (2006 bis 2009) unter dem Titel „Zeitigen“ noch bis 10. Juli in der Karlsruher Kunsthalle zeigt. Seine Liebe gilt den Küstenregionen Frankreichs, Claude Monets Garten in Giverny bei Vollmond, lichten Landschaften, verlassenen Gebäuden, Gehöften und Kirchen in der vordergründig unscheinbaren Provinz, aber auch Ägyptens Nilufer oder dem südlich von Rom gelegenen Garten von Ninfa. Still sind diese Bilder und menschenleer.

Aufgewühlt hingegen seine Serien „Schiffswracks“ und „Ansichten.“ Hier bedient sich Esser alter französischer Postkarten, vergrößert Details ins Grobkörnige, koloriert sie und steigert so deren Dramatik. Der „melancholische Aspekt“ von Essers Bildern ergebe sich daraus, schreibt Kirsten Claudia Voigt im Katalogtext, „dass wir wissen und fühlen, dass unser Zuhause-Sein in der Welt eines auf Zeit ist.“ Kombiniert ist die Schau mit einem im Verlag Schirmer-Moser erschienenen Katalogbuch. Und auch das Begleitprogramm lohnt einen Blick. Näheres unter www.kunsthalle-karlsruhe.de. –maf-

 
 

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