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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Februar 2016

NationEUropa - Die polarisierte Solidargemeinschaft: Wie viel Druck kann EU aushalten?

KARLSRUHER GESPRÄCHE: Eröffnung mit Oberbürgermeister Frank Mentrup, Anthony Glees und Caroline Robertson-von Trotha (v.l.). Foto: Fränkle

KARLSRUHER GESPRÄCHE: Eröffnung mit Oberbürgermeister Frank Mentrup, Anthony Glees und Caroline Robertson-von Trotha (v.l.). Foto: Fränkle

 

20. Karlsruher Gespräche wieder topaktuell / Eröffnung erstmals in Musikhochschule

Schwer verdauliche Sachen werde er über Deutschland sagen, kündigte Prof. Anthony Glees zu Beginn seines Festvortrags an und das tat der britische Politikwissenschaftler auch. Herausforderung Europa war sein Vortrag überschrieben, die Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik sein Hauptthema: Deutschland benehme sich wie ein Hippie-Staat.

Die Eröffnung der 20. Karlsruher Gespräche, die am vergangenen Freitag erstmals das Wolfgang-Rihm-Forum auf dem Campus der Musikhochschule füllte, begann mit deutlichen Worten. Deutschland handele in Sachen Flüchtlinge seit 2015 irrational und halte sich nicht an die Regeln, referierte Glees die Sicht vieler Kritiker. Deutschland sei vielen Staaten in den Rücken gefallen und David Cameron mache sich Sorgen, weil Migranten unkontrolliert nach Europa kämen. Spätestens an dieser Stelle wurde klar, dass das Thema der diesjährigen Veranstaltung mit „NationEUropa – Die polarisierte Solidargemeinschaft“ aktueller nicht hätte sein können. Glees persönlich stellte sich hinter die Solidargemeinschaft. „Es wäre schrecklich, wenn das Haus EU zusammenbrechen würde. Dann könnte es zu einer Wiederholung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts kommen“, befürchtet der Direktor des Centre of Security and Intelligence Studies an der Universität Buckingham.

KEINE ALTERNATIVE ZU EUROPA

Und auch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup machte in seinem Grußwort deutlich, dass es „aus Karlsruher Sicht keine Alternative zu Europa gebe“. Es sei Karlsruhe immer dann gut gegangen, wenn die Grenzen zu Frankreich offen waren. Die Karlsruher Gespräche, die auch dieses Jahr wieder an drei Tagen Vorträge, Diskussionen und kulturelle Veranstaltungen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet boten, hätten „eine Gesprächskultur etabliert, die jeden begeistert“, so das Stadtoberhaupt. Veranstalter ist seit 1997 das ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am Karlsruher Institut für Technologie. Dessen Direktorin, Prof. Caroline Robert¬son-von Trotha, unterstrich, wie wichtig es sei, dass sich das KIT in Form von „öffentlicher Wissenschaft“ an gesellschaftlichen Diskursen beteilige: „Wir wollen stets besonders gesellschaftsrelevante Themen aus der Sicht wissenschaftlicher Disziplinen, aus Theorie und Praxis, aber auch aus zivilgesellschaftlicher Perspektive erörtern.“

MITSCHNITTE VON VORTRÄGEN

Wer sich Videos von Veranstaltungen vergangener Jahre anschauen möchte, sollte sich bei youtube umschauen. Hier gibt es Mitschnitte von Vorträgen und Diskussionen und auf www.zak.kit.edu steht ein großes Archiv zur Verfügung. Außerdem hat das ZAK gerade ein Buch zum Thema „Die Zwischengesellschaft“ veröffentlicht, in dem es um Aufbrüche zwischen Tradition und Moderne geht. -res-

 
 

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