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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Februar 2016

Rückbau von kerntechnischen Anlagen: Cluster gegründet

Fünf Partner aus drei Ländern bringen ihre Expertise ein

Wir sehen sie nicht und wir schmecken sie nicht – aber sie kann unser Gewebe zerstören und Krebs auslösen. Ionisierende Strahlung ist gefährlich, deshalb will Deutschland seine Kernkraftwerke bis Ende 2022 abschalten. Um die Kompetenzen für den sicheren Rückbau zu bündeln, haben sich nun fünf Forschungsinstitute zu einem Cluster zusammengeschlossen.

„Rückbau ist langwierig, teuer und kompliziert“, brachte es Simone Schwanitz vorige Woche bei der Eröffnungsfeier des Kompetenz-Clusters für nuklearen Rückbau in Karlsruhe auf den Punkt. Deshalb, so die Ministerialdirektorin beim baden-württembergischen Wissenschaftsministerium, sei es sinnvoll, das Know-how der Disziplinen zu bündeln sowie die Fachkräfteausbildung zu stärken.

Zu den Gründungsmitgliedern des Clusters zählen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Duale Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe, die Universität Stuttgart, das Paul Scherrer Institut (das Nuklear-Kompetenzzentrum der Schweiz) und das Institute für Reference Materials and Measurements (Belgien) der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission, zu der auch das Institut für Transurane (JRC-ITU) auf dem KIT Campus Nord zählt. Laut KIT wird das Cluster unter anderem Rückbaustrategien entwickeln sowie Dekontaminationstechnologien und Schutzmaßnahmen weiterentwickeln.

OFFEN FÜR WEITERE PARTNER

„Die Verantwortlichen in Industrie, Politik und Öffentlichkeit finden nun dank des Clusters zentral die passenden Ansprechpartner“, erläuterte Prof. Oliver Kraft, KIT-Vizepräsident für Forschung. Und Pierre Kockerols von der Europäischen Kommission unterstrich: „Wir brauchen Fachleute für die Dekontaminierung, Strahlenschutzbeauftragte, Ingenieure für die Strahlenmessung und viele mehr.“ Das verdeutlichte auch Dr. Walter Tromm, Programmsprecher Nukleare Entsorgung, Sicherheit und Strahlenforschung am KIT: So habe etwa der Rückbau des Kernkraftwerks Würgassen 50 Unternehmen mit 500 Mitarbeitern beschäftigt. Insgesamt seien 455.000 Tonnen Abbaumasse bewegt worden.

Am KIT, so Tromm weiter, gebe es zehn Institute mit Kompetenzen in Sachen Rückbau – etwa zum Thema längerfristige Zwischenlagerung oder Notfallmanagement. Seit 2008 verfügt das KIT außerdem - deutschlandweit einzigartig - über eine Professur für den Rückbau kerntechnischer Bauwerke. Die Duale Hochschule wiederum bietet den Studiengang Sicherheitswesen an und das JRC-ITU betreibt und entwickelt wissenschaftliche Methoden zur Messung hochradioaktiver Materialien. Das Cluster ist offen für weitere Partner. -res-

 
 

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