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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. März 2016

Elternumfrage zu Betreuungsbedarf im Grundschulalter: Ganztagsschule beliebt und gefragt

VERBINDLICH ist der Ganztagsbetrieb nur in Einzelfällen wie hier an der Grundschule am Wasserturm. Wahlfreiheit bleibt gewahrt. Foto: Fränkle

VERBINDLICH ist der Ganztagsbetrieb nur in Einzelfällen wie hier an der Grundschule am Wasserturm. Wahlfreiheit bleibt gewahrt. Foto: Fränkle

 

Rund 40 statt zuvor 20 Prozent wollen Karlsruher Modell / Wahlfreiheit bleibt

Mit dem Schulbeitritt der eigenen Kinder mussten lange Zeit viele Eltern, vor allem Mütter, eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf als gescheitert ansehen. Dem wirkte die Stadt Karlsruhe in den vergangenen Jahren erfolgreich entgegen. Und setzte beim Ausbau zudem mit der Ganztagsschule auf eine Option, die sich mit der Präferenz der Eltern deckt, zeigt ihre Befragung.

Alle Eltern der 2648 Söhne und Töchter in Karlsruher Kitas, die diesen Herbst zur Schule kommen, waren aufgerufen, ihren Betreuungsbedarf zu erklären. Das taten knapp 60 Prozent – begleitet durch Erzieherinnen und Erzieher. Ein methodischer und wegweisender Ansatz, den Bürgermeister Martin Lenz bundesweit einmalig nennt. Und sie zeichnen ein klares Bild. Der Anteil derer, die auf die Ganztagsschule setzen, hat sich nach ersten Erkenntnissen von 21,3 auf 39,8 Prozent fast verdoppelt, zeigt ein Vergleich zwischen 2010 und 2015. Quer durch alle Schichten, unabhängig von Kriterien wie Einkommen oder Familienstand.

Nur noch knapp jedem Dritten (zuvor 42,3 Prozent) erscheint der Hort als beste Lösung. Kein Grund, diese oder die flexible Nachmittagsbetreuung nicht weiterzuverfolgen. „Wahlfreiheit wird oberstes Leitziel bleiben“, versprach Lenz bei einer Pressekonferenz am vorigen Freitag. Der Schuldezernent erklärte aber auch, dass die Vollerhebung in fünf Jahren wiederholt werde, und „da muss man kein Prophet sein, zu sagen, der Trend wird sich fortsetzen“. Tatsächlich rechnen gut drei Viertel der erfolgreich Befragten mit konstantem, weitere 21,3 Prozent mit zunehmendem Bedarf.

„Die Erwartungen der Eltern an uns spiegeln genau das wider, was wir erwartet haben“, betonte der Leiter der Sozial- und Jugendbehörde, Josef Seekircher. Mehr als vier Fünftel aller Eltern möchten ihr Kind fünf Tage die Woche betreut wissen – vor allem unmittelbar vor und nach dem Unterricht. Am meisten ist ihnen dabei, das sagte fast jeder im Fragebogen, an der Qualifikation der Betreuenden gelegen. Für mehr als 80 Prozent sind Wohnortnähe und Mittagessen wichtig, fast ebenso gilt das für Hausaufgabenbetreuung. Und es geht um Kontinuität: „Die überwiegende Zahl der Zweijährigen ist in Ganztagsbetreuung“, so Seekircher. „Und die Eltern erwarten, dass es in der Schule genauso weitergeht.“

Wichtiger Akteur dazu ist das Staatliche Schulamt. Leitende Direktorin Elisabeth Groß, die zunächst berichten konnte, dass das Land just die neuen Ganztagsschulen für 2016/17 offiziell verkündet hatte, bezeichnete den Hort als Betreuungs-, die Ganztagsschule als Bildungsangebot. Das sei „mit großem Tempo, aber auch mit ganz großer Qualität“ ausgebaut worden. Lenz: „Die Qualität wird jetzt angenommen.“ Das Karlsruher Modell trage Früchte, erkennen alle Beteiligten. Dazu zählen der Gemeinderat, dessen beschlossene Rahmenkonzeption die jetzt erklärten Wünsche umfasst, und Elternvertretungen.

 
 

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