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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. März 2016

Flüchtlinge: Arbeit bedeutet Integration

Deutsch ist Voraussetzung / Projekt vernetzt Akteure

„In einer Gesellschaft, die sich über Erwerbsarbeit definiert, funktioniert Integration am Besten über den Faktor Arbeit“, erklärt der Direktor des Diakonischen Werkes Karlsruhe, Wolfgang Stoll. Die Diakonie ist eine von neun vernetzten Trägern des Projektverbundes Baden, der wiederum Teil des Europäischen Sozialfonds-Projekts „Arbeit und Ausbildung für Flüchtlinge“ ist. Standorte sind Karlsruhe, Rastatt, Offenburg, Freiburg und Lörrach.

Seit vergangenem August kümmert sich die Sozialarbeiterin Anita Beneta in Karlsruhe darum, Flüchtlingen mit mindestens einem nachrangigen Arbeitsmarktzugang die Hürden zu diesem zu erleichtern. Dabei arbeitet sie auch mit Arbeitsmarktakteuren und Institutionen wie der Stadt zusammen.

„Ohne Deutschkenntnisse geht es nicht“, betonte Beneta vorige Woche bei einem Pressetermin. Deshalb lernen alle 20 Projektteilnehmer zuerst Deutsch. Bis Flüchtlinge auf normalem Wege einen Deutschkurs bekommen, kann es unter Umständen Jahre dauern, erklärte die Sozialarbeiterin. Oder sie zahlen ihn selbst. Wie Mehdi Razzaghy, der vor drei Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam.

Anfangs waren es ehrenamtliche Helfer, die ihm Deutsch beibrachten. „Aber nach ein paar Monaten reichte das nicht mehr“, so Razzaghy. Unterstützung bekam er jedoch nicht, was dazu führte, dass er einen Deutschkurs bei der Volkshochschule dank Ratenzahlung selbst finanzierte. Als es an die Arbeitssuche ging, konnte ihm wieder keiner helfen. Erst seit er in dem Projekt ist, geht das alles. Jetzt hat er auch schon Aussicht auf ein Praktikum.

„Wir müssen Netzwerke schaffen und wollen keine Doppelstrukturen“, bemerkte die stellvertretende Leiterin des Büros für Integration der Stadt Karlsruhe, Mirjana Diminic. Deshalb gebe es bei dem Projekt keinen eigenen Firmenpool, denn die Arbeitsagentur habe schon entsprechende Strukturen. Doch nicht nur die Vermittlung steht im Mittelpunkt. Den Flüchtlingen muss auch beigebracht werden, wie man Bewerbungen schreibt oder was ein Bewerbungsgespräch ist. „Auch den Arbeitgebern müssen wir helfen. Da gibt es viele offene Fragen“, führte Beneta aus. -jäm-

 
 

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