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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 18. März 2016

Gesundheit: Kampf der Volkskrankheit Depression

Initiative möchte Hilfsangebote sichtbarer machen / Prof. Berner beschwört Hilfsmittel

Wie stark das Thema Depression und die Auseinandersetzung damit die Menschen beschäftigt, sie sich Unterstützung, Aufklärung, die Möglichkeit zu Information und Austausch wünschen, zeigte am vergangenen Samstag der erste Karlsruher „Fachtag Depression“ bei der Volkshochschule.

Bis ins Foyer standen die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher, um dem Fachvortrag des Direktors der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin am hiesigen Städtischen Klinikum, Professor Michael Berner, zu folgen.

Der bezeichnende Titel seines erhellenden Referats war zugleich Situationsbeschreibung und Appell: „Volkskrankheit Depression – erkennen, enttabuisieren, Hilfe finden“. Nur eines von vielen Angeboten der Initiative gegen Depression, die sich an diesem Tag offiziell gründete. Workshops und ein Marktplatz mit Info-Ständen wie dem von Arbeitskreis Leben (Suizidprävention) oder dem Zentrum für seelische Gesundheit bereicherten die Tagung.

Die Leiterin der Beratungsabteilung der Sozial- und Jugendbehörde, Cordula Sailer, informierte beispielsweise über den Unterschied von Burnout und Depression. Berner berichtete von Studien, die gezeigt hätten, dass bei einer nicht behandelten Depression Frauen rund vier Jahre vor einem möglichen Suizid erstmals an einen Freitod denken. Bei Männern sei diese Spanne erheblich kürzer und betrage rund ein Jahr. Wer selbst depressive Verstimmungen bei sich feststellt, solle zunächst den Hausarzt konsultieren. „Es hilft, wenn sie bei ihrem Arzt das Thema von selbst anstoßen“, riet er zum offenen Umgang mit der Krankheit.

Was man gegen sie tun kann, war ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen. Sport, Bewegung, das bewusste Erleben in der Natur oder Achtsamkeitsübungen seien bewährte Hilfen, und die Krankheit sei gut erforscht. „Es gibt 27 verschiedene Antidepressiva. Eines hilft. Die Regel heißt, wenn ein Medikament innerhalb von vier Wochen nicht hilft, dann müssen sie etwas Anderes nehmen“, so Berner.

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup sagte in seinem Grußwort: „Je früher die Krankheit erkannt wird und die Behandlung beginnt, desto größer sind die Heilungschancen. Statistisch gesehen erkranken jede vierte Frau und jeder achte Mann an einer Depression.“ Die neue Initiative wolle die Öffentlichkeit informieren, der Tabuisierung entgegenwirken, Hilfsangebote sichtbarer machen und Versorgungslücken schließen. -voko-

 
 

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