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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 25. März 2016

Soziales: Nicht Wegsehen bei häuslicher Gewalt

Gemeinschaftsprojekt bietet viele Anlaufstellen für Hilfsangebote und Hinweise

Allein im vergangenen Jahr war die Polizei im Stadtgebiet von Karlsruhe in 222 Fällen von häuslicher Gewalt im Einsatz. In 146 Fällen waren dabei minderjährige Kinder beteiligt, 49 Mal handelte es sich um Wiederholungstaten. Das geht aus der Zwischenbilanz des Projekts „Häusliche Gewalt überwinden“ hervor, die in der vorigen Woche im Rathaus vorgestellt wurde.

„Die Polizei kann nur die Gewalt unterbrechen. Um die Ursachen zu bekämpfen, sind koordinierte Folgemaßnahmen notwendig“, wies Kriminaldirektor Gerhard Heck vom Polizeipräsidium Karlsruhe auf die Notwendigkeit einer funktionierenden Interventionskette hin, die in Karlsruhe von der Polizei über Familiengericht, Ordnungsamt, Sozialer Dienst und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt bis hin zu Beratungsstellen freier Träger und zum Verein für Jugendhilfe reicht, wo Anti-Gewalt-Training ebenso angeboten wird, wie die Beratung von Männern und Frauen, sowohl als Täter als auch als Opfer.

„Der Beginn des Projekts ‚Häusliche Gewalt überwinden‘ im Jahr 2000 war von großer Euphorie getragen, doch leider können wir keine Rückgange verzeichnen“, bedauert Gleichstellungsbeauftragte Annette Niesyto, dass die Zahl der der Fälle von häuslicher Gewalt, die bei der Polizei bekannt werden, weiter hoch bleiben. Dabei sei dies nur die „Spitze des Eisbergs“: geschätzt rund 700 Fälle jährlich werden gar nicht bei der Polizei bekannt, die Dunkelziffer liege noch weit darüber. Deshalb sei es wichtig, weiter „am Ball“ zu bleiben. So liefere der Austausch im Projekt immer wieder neue Erkenntnisse, die in die praktische Arbeit einbezogen werden können.

„Häusliche Gewalt ist keine Privatsache“, ist Intervention und Bekämpfung für OB Dr. Mentrup ein zentrales Thema der Sicherheit in der Stadt. Wichtig sei ein Netz an Hilfsangeboten das auffängt und Institutionen, an die man sich wenden könne. „Nicht wegsehen oder weghören, wenn häusliche Gewalt sichtbar wird“, appelliert Mentrup an die Mitbürger, Zivilcourage zu zeigen und Hinweise weiterzugeben. Auf www.karlsruhe.de/hg sind umfassende Informationen zu Hilfen und Kontakten zu finden. -fis-

 
 

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