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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. April 2016

Kultur: Der Maler Willi Müller-Hufschmid ist 50 Jahre tot

Künster Willi Müller-Hufschmid

Künster Willi Müller-Hufschmid

 

Ein Ewig Suchender

„Mucksmäuschenstill“ und zurückgezogen verbrachte Willi Müller-Hufschmid sein Leben. Interpretationen seiner Malerei ließ sich der am 4. April 1966 gestorbene Karlsruher nicht entlocken.

Er blieb, so ein Lieblingswort aus Kindertagen, mucksmäuschenstill. Durch sein Werk aber sprach er. Das entwickelte sich erst neusachlich, nach Leiderfahrungen im  Zweiten Weltkrieg abstrakt und gegenstandslos und machte ihn zu einem der bedeutendsten badischen Maler und Zeichner des 20. Jahrhunderts. Anerkennungen kamen spät „verfolgen“ ihn dann aber, so 1953 der Kunstpreis der Stadt Karlsruhe und 1958 der Preis der Badischen Künstler samt Einzelschau in der Kunsthalle Baden-Baden. Ein Jahr später auf der documenta II in Kassel, bekam er 1964 als erster Abstrakter den Hans-Thoma-Staatspreis und zum 75 Geburtstag 1965 eine von der Stadt  ausgerichtete Schau, der posthum 1999 eine große Retrospektive zur Eröffnung der Städtischen Galerie im Prinz-Max-Palais folgte. Gewürdigt wurde ein Schaffen in voller Konzentration “auf den inneren Dialog mit den Bildern, der seine ungeteilte Aufmerksamkeit erforderte“, so Klaus Gallwitz. Entstanden im winzigen Atelier im Mansardzimmer mit Dachlukenfenster. Hier fand der Künstler zu meditativen Bildräumen voll zeichenhafter Symbolik, aufgelöst in geometrischen Formen, vergleichbar denen Paul Klees.

Jahrgang 1890, studierte er von 1908 bis 1913 an der Akademie mit Karl Hubbuch, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Wladimir von Zabotin. 1912 lernte er Verena Hufschmid kennen, die er 1922 nach einem von 1913 bis 1921 dauernden Militär- und Kriegsdienst samt Gefangenschaft in Sibirien  heiratete. Sie sorgte für den Lebensunterhalt, so dass er sich seiner schon bald anerkannten Kunst, die sich anfangs um Alltagsdinge und Selbstbildnisse drehte, widmen konnte. Nach 1933 von den Nazis verfemt, schuf er expressive Zeichnungen und arbeitete ab 1941 als Bühnenbildner in Konstanz, nach dem Krebstod seiner Frau 1942 als Schrankenwärter. Bei einem Bombenangriff in Karlsruhe  verbrannten 1944 die meisten seiner Werke. Seit 1947 lebte er wieder  in seiner  Heimatstadt und nahm  als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes an dessen Ausstellungen teil. Eine Professur lehnte der ewig Suchende jedoch ab. -cal-  

 
 

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