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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. April 2016

Kultur: Städtische Galerie zeigt bis 26. Juni eine Ausstellung zu Friedrich Kallmorgen

SCHAUEN SIE GENAU HIN: Rolf Kaletta, aus dessen Besitz die meisten Leihgaben für die Ausstellung stammen, erklärt beim Rundgang, was ihn an Friedrich Kallmorgen fasziniert. Foto: Bastian

SCHAUEN SIE GENAU HIN: Rolf Kaletta, aus dessen Besitz die meisten Leihgaben für die Ausstellung stammen, erklärt beim Rundgang, was ihn an Friedrich Kallmorgen fasziniert. Foto: Bastian

CHRONIST DES DÖRFLICHEN LEBENS: Kallmorgens Grötzingen-Gemälde „Zur Erntezeit“ von 1892.  Foto: pr/Heinz Pelz

CHRONIST DES DÖRFLICHEN LEBENS: Kallmorgens Grötzingen-Gemälde „Zur Erntezeit“ von 1892. Foto: pr/Heinz Pelz

 

In stimmiges Licht getaucht

Licht und Farbe machen den Unterschied. Friedrich Kallmorgens Landschaften in verschiedenen Tages- und Jahreszeiten sind von faszinierendem Zauber. Könnte ein „Winterabend“ an der Pfinz schöner gemalt sein als mit apricotfarbenen Einsprengseln der untergehenden Sonne auf verschneiten Wegen und dem blauen Schattenwurf der Bäume? Wohl kaum. Im Sommer dagegen ist der Himmel hoch und weit. Mit sanft getupften Wolken und flirrender Luft. Kallmorgens Herbstmotive glänzen golden und die „Regenstimmung am Karlsruher Bahnhof“ ist pure Melancholie.

Mit „Friedrich Kallmorgen. Malerei zwischen Realismus und Impressionismus“ widmet die Städtische Galerie einer der führenden Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bis 26. Juni eine Ausstellung. 1856 in Altona geboren, studierte Kallmorgen zunächst an der Düsseldorfer Kunstakademie, dann an der Karlsruher Kunstschule bei Hans Frederik Gude und Gustav Schönleber. Er war Gründungsmitglied der Grötzinger Malerkolonie und blieb Karlsruhe bis zu seinem Tod 1924 eng verbunden - auch als er 1902 einem Ruf als Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Kunstakademie folgte. Erstmals wird das Werk Kallmorgens umfassend präsentiert. Die 220 Exponate aller Schaffensphasen – Frühwerk, Holland-Motive, Jahre in Karlsruhe und Grötzingen, Reisen, Hamburg-Bilder und druckgrafische Arbeiten - stammen vorwiegend aus der Sammlung Rolf Kaletta. Ergänzt wird die Schau mit Blumenstilleben seiner Frau, der Künstlerin Margarethe Hormuth-Kallmorgen.

Kallmorgen reist viel und hält auf dem Skizzenblock fest, woraus er nach der Rückkehr schöpft. Holland hat es ihm als Inspirationsquelle besonders angetan, er liebt die Stimmungen an der Küste, die mittelalterlichen Städtchen und kleinen Fischerdörfer und fühlt sich „wie in eine andere Welt versetzt“. Er ist Chronist dörflichen Lebens, kann aber auch anders. Urbaner. Stellvertretend für Gemälde von Stadtlandschaften sind jene, die ihm den Ruf als „Epiker des Hamburger Hafens“ einbrachten. Oder das großformatige „Am Bahnübergang“ (1898). Es zeigt das Mühlburger Tor, das damals von einer Bahnlinie tangiert wurde. Menschen warten an der geschlossenen Schranke. Im Hintergrund erkennt man die die Silhouette des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, im Vordergrund türmen sich Schneemassen so grau wie der Wintertag. Zur Ausstellung ist im Michael Imhof Verlag ein Katalog erschienen. Er kostet an der Museumskasse 24,80 Euro. -maf-

 
 

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