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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. April 2016

Erinnerungskultur: Die Verantwortung bleibt

ZEITZEUGE: Paul Niedermann (Mitte ) sprach in Gurs (v. l.) mit Juri Strodthoff und Christiane Manolache (Agneshaus), Stadträtin Gisela Fischer und Burkhard Gauly (Agneshaus). Foto: Hauptamt

ZEITZEUGE: Paul Niedermann (Mitte ) sprach in Gurs (v. l.) mit Juri Strodthoff und Christiane Manolache (Agneshaus), Stadträtin Gisela Fischer und Burkhard Gauly (Agneshaus). Foto: Hauptamt

 

Jährliche Gedenkfeier auf Deportiertenfriedhof in Gurs

Das Erinnern an das Leid der Verschleppten und die Gräueltaten der Nationalsozialisten, vor allem aber die Mahnung zur Wachsamkeit gegenüber rassistischen und fremdenfeindlichen Entwicklungen standen im Mittelpunkt der Ansprachen bei der diesjährigen Gedenkfeier in Gurs.

Gurs stehe als „Zeichen für Verantwortung, als Mahnung, zugleich aber auch als Zeichen für unser Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft“, sagte der Weinheimer Oberbürgermeister Heiner Bernhard am Sonntag (17. April) in seiner Rede bei der Feier auf dem Friedhof des einstigen Deportiertenlagers. Bernhard, dieses Mal Sprecher der Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Friedhofs am Rande, sprach auch von der Verantwortung den Kindern und Jugendlichen gegenüber, aus den Erfahrungen des Holocaust heraus „uns in Gegenwart und Zukunft für ein tolerantes Miteinander, gegen Unrecht, Rassismus und Verletzungen der Menschenwürde einzusetzen“.

„Die Verantwortung bleibt“, stand auch für Stadträtin Gisela Fischer nach der zweitägigen Reise nach Südfrankreich fest. Besonders berührt hatte die Leiterin der Karlsruher Delegation dabei der Umgang des Zeitzeugen Paul Niedermann mit den Jugendlichen. Der 87-Jährige, der Gurs und den Holocaust überlebte, gab in Gesprächen vor Ort den etwa 30 jungen Männern und Frauen, die aus den Städten und Gemeinden mitgereist waren, Einblick in sein Schicksal, beleuchtete Leben und Leid im Lager. Und verschaffte den Jugendlichen, von denen zwei von der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik Agneshaus in Karlsruhe kamen, durch die Art seiner Vermittlung Zugang dazu, so Gisela Fischer, „sich das Unvorstellbare vorzustellen“.

VORHÖLLE VOR AUSCHWITZ

Im Oktober 1940 verschleppten die Nationalsozialisten 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Deportiertenlager Gurs in Südfrankreich. Im Lager am Fuße der Pyrenäen starben über 1.000 der Deportierten an Hunger, Kälte oder Epidemien, für die meisten anderen war Gurs vor ihrem weiteren Weg in die Vernichtungslager des Ostens „die Vorhölle vor Auschwitz“. Im Jahre 1957 ergriff der Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz mit Unterstützung des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden die Initiative zur Rettung des Deportiertenfriedhofs in Gurs.

Seither kümmert sich eine Arbeitsgemeinschaft von badischen Städten und Gemeinden und dem Bezirksverband Pfalz unter Karlsruher Federführung zusammen mit dem Oberrat um Pflege und Instandsetzung und hält dort alljährlich eine Gedenkveranstaltung ab. Weiter erinnert seit 1994 eine Gedenkstätte auf dem einstigen Lagergelände an die Internierten und ihr Schicksal. -trö-

 
 

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