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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 20. Mai 2016

Gesundheit: Für Schlaganfallpatienten Stroke-ARTEV ins Leben gerufen

Telemedizin hilft

"Zeit ist Hirn" – das geflügelte Wort unter Medizinern bedeutet, Menschen nach Schlaganfällen möglichst in der ersten, der „goldenen“ Stunde zu helfen, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Schlaganfälle, jährlich 300.000 in Deutschland, sind eine der häufigsten Todesursachen weltweit und Ursachen für dauerhafte Behinderungen sowie eingeschränkte Lebensqualität.

Eigens dafür optimal ausgerüstete, rund um die Uhr besetzte  Stationen, so genannte Stroke Units mit Neurologen, Neuroradiologen und Neurochirurgen, gibt es nur in Krankenhäusern der Maximalversorgung wie dem Städtischen Klinikum. Daher hat Prof. Dr. Georg Gahn die Akute Regionale Telemedizinische Versorgungskette Karlsruhe, kurz Stroke-ARTEV ins Leben gerufen. Der Chefneurologe des Klinikums  schlüpft mit seinem Team so in die Rolle von „Teledocs“.

Über Videokonferenz-Systeme sind sie mit fünf ländlichen Kliniken verbunden. Diese haben zwar eigene Stroke Units, sie sind aber nur unter  der Woche tagsüber besetzt. Das sind Asklepios Südpfalzklinik Kandel, Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer, Vinzentius-Kranken¬haus Landau, Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal sowie demnächst Klinikum Mittelbaden Rastatt. Die dortigen Ärzte können, sofern möglich unter Einbeziehung  der Patienten, sofort die vier Karlsruher Experten für eine genaue Diagnose zu Rate ziehen. Grundlage sind die Krankengeschichte und Aufnahmen des die Blutgefäße verstopfenden Verschlusses. Dieses so genannte Konsilium  dauert eine Viertelstunde und läuft nach einem standardisierten Fragekanon ab, um eine hohe Qualität zu sichern. Danach wird entschieden, ob die Klinik den Verschluss vor Ort über eine Infusion auflösen kann oder ob die Betroffenen nach Karlsruhe verlegt werden müssen.

Letzteres geschieht  schließlich in 15 Prozent der Fälle. Deren Blutgerinnsel entfernen die Spezialisten des Klinikums dann etwa durch einen Katheter mit  Stent-Retriever oder durch Aspiration, wobei der Katheter eingesaugt wird. Von fünf Patienten können nach einer solchen Behandlung durchschnittlich zwei bis drei ohne Nachwirkungen entlassen werden. Vorteil der Versorgungskette ist meist die wohnortnahe Versorgung. Das Klinikum wiederum kann sich auf die jährlich bis zu 80 schweren Fälle konzentrieren. Doppeluntersuchungen fallen weg, allen wird optimal geholfen, was letztlich auch zu weniger Pflegefällen führt.  Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup sieht in der Kooperation medizinische Versorgung höchster Qualität gesichert. Er strebt ein kooperatives, für die Region  identitätsstiftendes  Gesundheitswesen an, das die einzelnen Häuser auf Dauer stärkt. -cal-

 
 

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