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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. Juni 2016

Geschichte: Man darf nicht schweigen

BEEINDRUCKTE MIT HERZ UND HUMOR: Zeitzeuge Naftali Fürst (3. v.l.) mit seiner Lebensgefährtin Tova Wagmann (4. v.l.) bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Foto. Fränkle

BEEINDRUCKTE MIT HERZ UND HUMOR: Zeitzeuge Naftali Fürst (3. v.l.) mit seiner Lebensgefährtin Tova Wagmann (4. v.l.) bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Foto. Fränkle

 

Extremes Martyrium überlebt / Holocaust-Zeitzeuge Naftali Fürst zu Gast in Karlsruhe / Treffen mit OB Mentrup

Über den Kinderblock in Auschwitz-Birkenau hat Naftali Fürst einmal gesagt: „Er bedeutete für mich das extremste Martyrium, das ich bis dahin durchzumachen hatte.“ In Buchenwald wäre er danach fast gestorben.

Mit zwölf Jahren kam der 1932 in Bratislava geborene Sohn eines Industriellen in den komplett überfüllten Kinderblock von Buchenwald und erkrankte an einer schweren Lungenentzündung. Doch anders als die meisten Anderen verließ er den berüchtigten Krankenbau lebend. Im April 1944 wurde Buchenwald befreit und ein Foto mit ausgemergelten Kindern und Jugendlichen ging um die Welt. Auf diesem Foto ist auch Naftali Fürst zu sehen.

Wie durch ein Wunder überlebten er und sein Bruder und auch seine Eltern den Holocaust: das Arbeitslager Sered, Auschwitz-Birkenau und Buchenwald. Sie alle emigrierten schließlich nach Israel. Naftali Fürst arbeitete dort als Fotograf, Fahrlehrer und Werksleiter. Als sein Bruder Shmuel im Jahr 2003 starb, entschied sich Naftali zu einer Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Yad Vashem und schloss sich einer Gruppe Überlebender an, die ihre Geschichte erzählen. Diese Woche nun ist Naftali Fürst als Zeitzeuge in Karlsruhe und Ettlingen zu Gast. Eingeladen haben ihn – über persönliche Kontakte – Markgrafen Gymnasium und Goethe-Gymnasium (beide Karlsruhe) sowie die Ettlinger Albert-Einstein-Schule. Finanziert hat die Reise das Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg.

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup hieß Naftali Fürst und seine Lebensgefährtin Tova Wagmann am Dienstag im Rathaus willkommen. Das Stadtoberhaupt dankte Fürst, dass er in Deutschland mit den jungen Leuten spreche. „Diese emotionalen Momente vermitteln mehr als Filme oder Bücher“, unterstrich Mentrup. „Es ist gar nicht zu beschreiben, wie wertvoll es ist, was Sie tun.“ Fürst, der 2013 von Bundespräsident Joachim Gauck nach Berlin eingeladen wurde und im Juli dieses Jahres in Auschwitz Papst Franziskus treffen wird, sagte: „Man darf nicht schweigen.“ Eigentlich hatte er sich geschworen, nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, fuhr dann aber 2005 nach Buchenwald und traf dort andere Überlebende. Die Schüler, denen er heute von seinen Erlebnissen berichtet, bewundern seinen Humor und fragen sich immer wieder. Wie hat er das alles geschafft? Tova erinnert daran, dass Naftali aus einer „starken Familie“ kommt und er selbst sagt: „Unsere Eltern haben uns eingeschärft, die Hoffnung nicht aufzugeben und daran zu glauben, dass wir überleben würden.“

Seine Lebensgeschichte hat Natftali Fürst unter dem Titel „Wie Kohlestücke in den Flammen des Schreckens. Eine Familie überlebt den Holocaust“ als Buch veröffentlicht. Und die Internetseite „Die Brüder Fürst“ ist unter der Adresse www.furststory.com zu finden.-res-

 
 

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