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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Juli 2016

Forschungsprojekt: Zuhören und helfen

Studie über innerfamiliäre Tötungsdelikte vorgestellt

„Wir wurden alle im Stich und allein gelassen“, klagte eine der 14 Interviewten der bisher einzigartigen Studie „Innerfamiliäre Tötungsdelikte im Zusammenhang mit Beziehungskonflikten, Trennung beziehungsweise Scheidung – Konsequenzen für die Jugendhilfe“.

Auf Initiative der scheidenden Jugendamtsleiterin Dr. Susanne Heynen hatte die Stadt das von der Stiftung Deutsche Jugendmarke unterstützte Forschungsprojekt zwei Jahre lang ermöglicht, „damit  Menschen, die künftig Schlimmes erleben müssen, bestmögliche Unterstützung beim Jugendamt haben“, so Sozialdezernent Dr. Martin Lenz am 11. Juli bei der Abschlusstagung. Denn es handelt sich „um eine der dramatischsten Gewaltformen, die wir kennen, in der Abhängigkeits- und Machtverhältnisse, Intimität und Liebe in besonderer Weise mit Gewalt verbunden sind“, verdeutlichte Prof. Dr. Cornelia Helfferich von der Evangelischen Hochschule Freiburg.

Befragt hatte die Psychologin Alexandra Schmidt traumatisierte Menschen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 1975 und 2008 Kinder, Jugendliche  sowie  junge Erwachsene waren und Eltern und/oder Geschwister durch innerfamiliären Mord verloren hatten. Dabei waren sie  selbst psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt, unter der sie mit unterschiedlichen Auswirkungen ihr Leben lang leiden. „Sie brauchen daher längere Zeit professionelle, idealerweise aufsuchende Hilfs- und Unterstützungsleistungen“, bestätigte Schmidt. Als besonders schlimm wurden das Alleingelassen werden und  die Trennung von Geschwistern nach der Einzelunterbringung in meist verwandten Familien empfunden.

Ebenso das  „selbst nicht gefragt werden“, wo und mit wem ihr Leben weiter gehen sollte. Unmittelbar nach dem Geschehen außerdem oft Überforderung durch polizeiliche Ermittlungen, Erbfragen und vieles mehr. Vor allem aber suchten sie Schutz und nach dem Verlust der Eltern eine dauerhafte Bezugsperson. Die zu finden wurde in den sieben Tagungsforen als vorrangig angesehen. Dazu  kommen müssen zudem bezahlte psychotherapeutische Angebote, verbesserte Standards in der Verwandtschaftspflege, Prävention für gefährdete Familien sowie eine bundesweite, Opfer und Experten vernetzende  Servicestelle. -cal- 

 
 

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