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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Juli 2016

Soziales: Struktur und superklasse Angebote

UNTER DEM LABEL „win“ nähen Besucher des Zentrums für seelische Gesundheit Taschen aus alter Kleidung zum späteren Verkauf. Foto: Fränkle

UNTER DEM LABEL „win“ nähen Besucher des Zentrums für seelische Gesundheit Taschen aus alter Kleidung zum späteren Verkauf. Foto: Fränkle

 

Zentrum für seelische Gesundheit betreut, berät als eine Art Zuhause seit 15 Jahren

„Ich genieße die Gemeinschaft, ist wichtig für mich“, betonte ein regelmäßiger Besucher des Zentrums für seelische Gesundheit, Stephanienstraße 16. Beim Pressegespräch zum 15-jährigen Bestehen unterstrich ein anderer: „Das gesamte Angebot ist superklasse, kann man sich fast nicht schöner träumen. Am Wichtigsten ist für mich Kommunikation.“ Die Gelegenheit dazu hob Christine Ender als Zentrumsleiterin hervor.

Viele nutzten gern den kostenlosen Kaffee, aber es bleibe nicht dabei und niemand, wenn er es nicht will, allein in der Ecke sitzen. Mit Betreuern und anderen Besuchern, wie die Rat und Hilfe suchenden psychisch Erkrankten genannt werden, erhalten diese ganz entscheidend Struktur für den Tag.

Und auf sie warten in einem umfangreichen Programm Möglichkeiten zum kreativen Gestalten, gemeinsamen Kochen und Essen, Musizieren, Sport treiben, Spielen, ein Computerraum und vieles mehr im „Club Pinguin“. Der besteht bereits seit fast 50 Jahren und bildet eben seit 2001 mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst „als Glanz zum Brot“, als Bereicherung zum Notwendigen, so der Direktor des Diakonischen Werks, Wolfgang Stoll, das Zentrum für seelische Gesundheit. Das von Diakonie, Caritas und Stadt gemeinsam getragene mannigfaltige Angebot würdigte auch die städtische Psychiatrie-Koordinatorin, Marion Schuchardt, und sah in der geringen Hemmschwelle zur offenen Tür einen Erfolgsfaktor.

Das Verhindern von Rückfällen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben vor Ort nannte der zweite Zentrumsleiter neben Ender, Michael Freyer, als konstruktive und fortschrittliche Elemente des Engagements. Sechzig Prozent der Besucher sind über 50, siebzig Prozent wohnen allein, 35 Prozent beziehen Sozialhilfe, 35 weitere eine Erwerbsminderungsrente. Daraus ergibt sich neben sozialer Hilfe die finanzielle Beratung als Schwerpunkt. Zudem sind Behördengänge, Umgang mit Schulden, Lebensumständen, Krankheit, Medikation Themen.

Die Depression sei als kommende Volkskrankheit Nummer eins immer noch Tabu, bedauert Freyer. Da helfen Haupt- und Ehrenamtliche sowie Kooperationspartner, gegebenenfalls auch Hausbesuche, gemeinsames Einkaufen, Lachen, Feiern – wie beim Sommerfest kommenden Mittwoch, Tischtennis(-Turnier) und Vernissage. Beschäftigung in jeder Form ist wichtig, zumal fast alle Besucher - 700 ließen sich 2015 im Dienst beraten, etwa 170 sind wöchentlich im „Club“ - für den ersten Arbeitsmarkt nicht mehr in Frage kommen. Ausflüge gibt es, und - so Ender - ein Stück weit Familienersatz. -mab-

 
 

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