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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. Juli 2016

Gemeinderat: Der Ball liegt jetzt beim KSC

BLICK ÜBER NACKTEN MANN: Auf den heutigen Platz der KSC-Fankurve hinter dem Wahrzeichen soll im neuen Stadion der Gästeblock. Foto: Fränkle

BLICK ÜBER NACKTEN MANN: Auf den heutigen Platz der KSC-Fankurve hinter dem Wahrzeichen soll im neuen Stadion der Gästeblock. Foto: Fränkle

 

Neues Fußballstadion im Wildpark: Zweistündige Debatte im Plenum zu Für und Wider

Vor dem Grundsatzbeschluss zum Bau eines neuen Fußballstadions im Wildpark und der ebenfalls mehrheitlichen Zustimmung zum Realisierungskonzept unterstrichen die Stadträtinnen und Stadträte im Plenum in zweistündiger Debatte ihre Positionen zum insgesamt 113 Millionen Euro schweren Projekt.

„Heute ist die Stunde des Gemeinderats“ appellierte OB Dr. Frank Mentrup zu Beginn der Aussprache über „das emotionale Thema“ an die Stadträtinnen und Stadträte, den vorgeschlagenen Weg mitzugehen und damit die Voraussetzungen zu schaffen für das neue Stadion und die damit verbundene Neuarrondierung des Umfelds. Der OB sah das Projekt, das die „größte Bauinvestition der Stadt“ auslöst als „Kompromiss“ divergierender Interessen, vor allem aber als „die letzte Chance für die Zukunft des Profifußballs in Karlsruhe“. Eine weitere gebe es nicht. Jetzt sei es Sache des KSC, die „ausverhandelten Verträge“ zu unterzeichnen.

„Nur Sanierung wäre Geldvernichtung“ ging Stadtrat Detlef Hofmann mit der übergroßen Mehrheit der CDU-Fraktion den vom OB vorgeschlagenen Weg mit. Der KSC sei „Aushängeschild und Imagefaktor“ und brauche ein entsprechendes Umfeld für seinen Bundesligafußball. Letztere löse „riesige Begeisterung“ aus und sei auch, so Hofmann, „großer Integrationsfaktor“. Mit seinem Beschluss zum Neubau gebe der Gemeinderat den Blau-Weißen und ihren Fans einen „Vertrauensvorschuss“. Jetzt liege „der Ball in der Hälfte des KSC“ mahnte der sportpolitische Sprecher der CDU die Verantwortlichen an, „das Vertragswerk zu unterschreiben“.

Es liege am KSC, „den gordischen Knoten zu zerschlagen“, betonte auch SPD-Fraktionschef Parsa Marvi. Der Gemeinderat setze mit seinem Ja zum vorgeschlagenen Weg „einen Schlusspunkt darunter, unter welchen Bedingungen die Stadt eine neues Stadion im Wildpark baut“. Jetzt sei „ausverhandelt“ mahnte Marvi den Sportclub, der nichts zur Finanzierung beitrage, zu „mehr Bescheidenheit“ an. Weitere Forderungen des KSC lehnte er ab. Die SPD stehe zu dem Beschluss, der die Prämissen nach verantwortungsvollem Umgang mit Steuergeldern („Generalsanierung wäre schlechteste Lösung“) und Schaffung eines Vertrauen bildenden Angebots erfülle.

Diese Vorlage nahm FDP-Stadtrat Thomas H. Hock auf, der das vorgelegte Konzept als „richtigen Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnete. Der Beschluss beinhalte zweierlei. Hock: „einen guten Tag für den KSC und einen klaren Handlungsauftrag für dessen Präsidium“. Und auch GfK-Stadtrat Friedemann Kalmbach stellte sich hinter den Stadionneubau und warb für „eine positive Sicht der Dinge“. Die Risiken seien überschaubar, „Mut und Vertrauen“ angesagt.

Vor einem „Dilemma“ sah sich hingegen KULT-Stadtrat Max Braun. Er sei einerseits KSC-Fan, andererseits verpflichtet, „verantwortungsvoll mit Steuergeldern umzugehen“. Das Hauptproblem seiner Fraktion dabei sei „die nicht ausreichend gesicherte Refinanzierung des Baus von Stadion und VIP-Parkhaus durch Pachtzahlungen des KSC“. Deshalb könne KULT zwar in Mehrheit dem Grundsatzbeschluss zustimmen, müsse sich aber dem Konzept in der vorliegenden Form verweigern.

Die Grünen als drittstärkste Fraktion im Bürgersaal sahen, so ihr Vorsitzender Johannes Honné, „den Wildpark als richtigen Standort, das Verkehrskonzept als ideal“ an und wollten auch, „dass der KSC seine Einnahmen verbessern kann“, gingen aber dennoch den aufgezeigten Weg nicht mit. Honné: „Unser Kernproblem ist die finanzielle Situation von Stadt und Verein“. Es sei nicht verlässlich, dass der KSC seinen Anteil bezahlen könne.

Ablehnung signalisierte auch Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke), der das Projekt als unverantwortliches „Fass ohne Boden“ bezeichnete und einen Bürgerentscheid zum Stadion forderte. Bei diesem Vorstoß, den das Plenum mit deutlicher Mehrheit verwarf, erhielt er Unterstützung von AfD-Stadtrat Marc Bernhard, der „die Riskioverlagerung des Stadionbaus auf die Stadt“ als „inakzeptabel“ bezeichnete. Der parteilose Stadtrat Stefan Schmitt lehnte das Projekt ab. Wie Dr. Klaus Heilgeist. Der CDU-Stadtrat vermisste ein Zeichen des KSC-Präsidiums, „dass es hinter den Verträgen steht“. Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) enthielt sich der Stimme und machte dafür die uneinheitliche Meinung innerhalb der Freien Wähler verantwortlich. -trö-

 
 

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