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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. Juli 2016

Gemeinderat: Letzte Chance kann Treffer werden

NEUN REFERENTEN und der OB erläuterten beim Bürgerforum Fußballstadion im Südwerk rund 200 Gästen die enormen Vorleistungen. Foto: Fränkle

NEUN REFERENTEN und der OB erläuterten beim Bürgerforum Fußballstadion im Südwerk rund 200 Gästen die enormen Vorleistungen. Foto: Fränkle

JUBELN sollen bis zu 35.000 Fans (22500 sitzend, 12500 stehend) im neuen Wildparkstadion, dessen Bau nur noch der KSC zustimmen muss. Wohl über die Mitgliederversammlung am 25. September. Foto: Fränkle

JUBELN sollen bis zu 35.000 Fans (22500 sitzend, 12500 stehend) im neuen Wildparkstadion, dessen Bau nur noch der KSC zustimmen muss. Wohl über die Mitgliederversammlung am 25. September. Foto: Fränkle

 

Gemeinderat für neues Fußballstadion im Wildpark / Mehrheitliche Zustimmung / Anträge auf Mietnachzahlung, Bürgervotum, Moratorium scheitern

Ab der Saison 2019/20 könnte der KSC - idealerweise als Erstligist - seine Spiele im neuen Wildparkstadion bestreiten. Die Grundlage dazu hat der Gemeinderat am Dienstag durch Mehrheitsbeschluss für den Bau geschaffen. Die „letzte Chance“, so Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, „der Spitze einer Sportstadt“ professionell konkurrenzfähiges Wirken zu ermöglichen.

Es ist nun am KSC, die Vorlage der Stadt als Vertragspartnerin und Bauherrin in spe zu verwandeln. Nach knapp zweistündiger Debatte basierte das Votum des Gros‘ der Stadträtinnen und Stadträte auf Vertrauen in die präzise Kalkulation und den sportlichen Erfolg. 27:18 bei zwei Enthaltungen lautete das Ergebnis bei drei von vier elementaren Beschlüssen zur Realisierung des Großprojekts im Gesamtvolumen von knapp 114 Millionen Euro. Sie ermächtigen den OB, die Vertragswerke mit dem Verein abzuschließen und die Verwaltung, nach Unterzeichnung von Seiten des KSC das entsprechende Vergabeverfahren einzuleiten.

Auch das grundsätzliche Signal, rund 28 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen bereitstellen zu wollen (41 Prozent sind für das dringend benötigte Sicherheitskonzept bestimmt), geht damit einher. Über den getrennt abgestimmten vierten Punkt mit nur drei Ablehnungen sowie zwei Enthaltungen vorgezeichnet wurde die Gründung eines Eigenbetriebs Fußballstadion zum 1. Januar 2017. Dieser garantiert, wie Mentrup deutlich machte, dass kein anderes Investitionsprojekt zurückgestellt wird. Ferner votierte die Mehrheit (13 Mal Nein, eine Enthaltung) für den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan (Kostenfaktor 2,3 Millionen Euro) sowie Planungsleistungen von knapp 560.000 Euro (fünf Ablehnungen, eine Enthaltung). Ein auf Rücklagen und Mietnachzahlungen des KSC abzielender KULT-Antrag scheiterte bei 17 Zustimmungen. Zwei Linke-Vorstößen für Bürgerentscheid/ Moratorium erging es bei 14 respektive neben acht Enthaltungen drei Ja-Stimmen ebenso.

Das also nicht leichtfertig erteilte grüne Licht ebnet den Weg für das neue Stadion einer Kapazität von 35.000 Plätzen, das am bestehenden Standort durch Abbruch und Neubau schrittweise entstehen soll. Mit der Haupttribüne, obwohl noch recht neu, anzufangen, ist KSC- Wunsch, um bis zu 2600 Business- und VIP-Kunden frühzeitig locken zu können. Baubeginn muss der Winter 2017 sein, weil die Tribüne wegen dort siedelnder Fledermaus-Populationen nicht im Sommer abgerissen werden darf. Beispiel für mehr als 600 Seiten umfassende obligatorische Gutachten mit Artenschutzbelangen als Schwerpunkt. Und Grund für Zeitdruck. Gegenwärtig investiert die Stadt mehr in Instandhaltung als an Einnahmen fließt, und der Sanierungsbedarf wächst. Über eine nach Liga-Zugehörigkeit gestaffelte Pacht soll der KSC die von der Stadt vorfinanzierten Kosten des neuen, vom Land mit elf Millionen Euro bezuschussten Stadions zurückzahlen.

Vereinbart mit einem „der wichtigsten Imageträger der Stadt“, wie Mentrup bereits am Freitag in Mediengespräch und Bürgerforum den Stellenwert des künftigen Hauptpächters hervorhob. Dessen neue Spielstätte, die auch für andere Zwecke nutzbar und in ein laut Stadtoberhaupt „riesiges Stück Infrastruktur-Entwicklung im Norden Karlsruhes“ eingebettet sein wird, entspricht als reine Fußballarena den Auflagen von DFL und DFB, bietet 80 Plätze für Medienvertreter, ebenso viele für Rollstuhlfahrer und Begleitungen sowie zehn für Sehbehinderte. Die Fan-Kurven werden gedreht, sodass die Blauweißen hinter dem südöstlichen Tor und die Gäste in der Nordkurve stehen, mit dem Gästeparkplatz verbunden – Deeskalation. Auch seitens der Polizei sind Sicherheits- und Verkehrslage längst kaum hinnehmbar.

Die Stadt geht für das gleichsam Alternativlose finanzielle Risiken ein, hat sich aber abgesichert. Sollten die nach Funktionaler Leistungsbeschreibung anvisierten 76,8 Millionen Euro für Stadion und Parkhaus überschritten werden, greift der Vergabevorbehalt. Wenn dann auch bereits vereinbarte Qualitätsreduktionen nicht ausreichen, kann die Stadt das Vergabeverfahren aufheben. Ziel bleibt darüber hinaus das 2014 indexierte Budget. -mab-

 
 

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