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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. Oktober 2016

Soziales: Rente reicht nicht

Fachtagung Altersarmut / Bildung beste Prävention

Armut sei kommunal kaum beeinflussbar, zu viele Faktoren hingen von der Bundespolitik ab, aber „es ist unsere Aufgabe, für sozialen Ausgleich zu sorgen“, betonte Bürgermeister Martin Lenz anlässlich des vierten Fachtags zur Armutsbekämpfung mit Schwerpunkt Altersarmut.

Zum Auftakt der landesweiten Aktionswoche der Liga der freien Wohlfahrtspflege hatten bei der Karlsruher Veranstaltung im Anne-Frank-Haus renommierte Experten und 100 Fachleute aus der Praxis „Ursachen, Wirkungen und Perspektiven“ diskutiert.
Die Zahl bedürftiger Älterer wächst. Auch in Karlsruhe. Erhielten 2011 noch 2 479 Personen Grundsicherung im Alter, waren es 2015 schon 2 868. Noch stiegen die Zahlen auf niedrigem Niveau, hielt Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge jenen entgegen, die heute schon von Krise sprächen.

Gleichwohl gelte es, rechtzeitig Weichen für die Vermeidung von Armut im Alter zu stellen. Dass das durchschnittliche Rentenniveau sinkt, hat für Löher vielerlei Gründe – der demografische Wandel schlage durch, es gebe Brüche in den Erwerbsbiografien, Versicherungssysteme kollabierten. Eine Lösung sehe er derzeit nicht, das Problem werde auf Bundesebene „nicht ausreichend diskutiert“. Ohne eine gewisse Selbstverantwortung über private Altersvorsorge gehe es seiner Meinung nach nicht.

Auch der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Landesregierung bestätigt den Trend und prognostiziert, dass 2030 zehn Prozent der Baden-Württemberger staatliche Hilfe brauchen. „Altersarmut wird weiblich werden“, sprach Erich Stutzer, Leiter der Familienforschung Baden-Württemberg, von Frauen, aber auch Migranten als besonders gefährdet. Auf lange Sicht sei Bildung die beste Prävention, war Karina Langeneckert, Leiterin der Sozial- und Jugendbehörde, überzeugt. Frühkindliche, schulische und außerschulische Förderung müssten gestärkt, Kinderbetreuung ausgebaut und der Übergang Schule- Beruf verbessert werden. -maf-

 
 

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