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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. Oktober 2016

Welttag der seelischen Gesundheit: Anderssein braucht Mut

Diskussion im Rathaus / Krisennotfalldienst wichtig

Antriebslos, erschöpft, bedrückt – Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. Ihretwegen und wegen anderer psychischer Leiden lassen sich immer mehr Arbeitnehmer krankschreiben. Der Welttag der seelischen Gesundheit bringt jedes Jahr am 10. Oktober Licht in die Schattenwelt, kämpft öffentlichkeitswirksam für die Entstigmatisierung seelischer Leiden.

„Anderssein ist auch normal“, lautete das aktuelle Motto der vom Gemeindepsychiatrischen Bund (GPV) aus diesem Anlass organisierten Veranstaltungsreihe, in deren Mittelpunkt eine Podiumsdiskussion im Bürgersaal zur Situation in Karlsruhe stand. Der Titel sei ein Plädoyer für Vielfalt, gegen Ausgrenzung und für eine offene Gesellschaft, betonte die städtische Psychiatriekoordinatorin Marion Schuchardt beim Pressegespräch im Vorfeld.

Seit der Psychiatrie-Enquete von 1975 habe sich Einiges verbessert, „wesentliche Forderungen“ wie „Inklusion“ oder bessere „Koordination der Versorgung“ seien jedoch bislang „nur teilweise umgesetzt“ worden, kritisierte Hauptredner Prof. Dr. Rolf Rosenbrock vom Paritätischen Gesamtverband Berlin. Anders in Karlsruhe. Bereits 1983 habe man hier mitten in der Stadt eine Klinik eröffnet, lobte Prof. Dr. Michael Berner, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, den hiesigen Weg. Gut gelöst sei auch das Schnittstellen-Management, Verbesserungsbedarf gebe es allerdings bei der „Enthospitalisierung“, also der Wiederherstellung normaler Lebensumstände für Langzeitpatienten.

Neun Träger haben sich im GPV zusammengeschlossen, um seelisch Kranken ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und jedem einen Ort zu geben, „an dem er sich sicher und zuhause fühlt“, so Christine Jung-Weyand von der Trägervertretung. Aktuell würden 617 Menschen mit vielfältigen Wohnangeboten versorgt, davon 231 stationär und 386 ambulant. Ihrer Meinung nach fehle es an Hilfen, die auf junge Menschen zugeschnitten sind, an kurzzeitiger klinischer Versorgung im Krisenfall sowie einem psychiatrischen Notfalldienst. Zum Anderssein brauche es Mut und den brächten Betroffene oft nicht auf, schilderte Uschi Franz als deren Vertreterin ihre Erfahrungen. Viele sehnten sich nach ganz Alltäglichem und wollten einfach mal „ohne Angst zum Bäcker gehen“. Lange Wartezeiten auf Behandlungstermine und Therapieplätze verstärkten den Leidensdruck. -maf-

 
 

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