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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. Oktober 2016

Kultur: Abseits der Front leben

STÄDTE IM ERSTEN WELTKRIEG beschreibt dieses Buch.

STÄDTE IM ERSTEN WELTKRIEG beschreibt dieses Buch.

 

Buch berichtet vom zivilen Schicksal im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. So bezeichnen Historiker diesen ersten die Welt umspannenden Krieg und reden auch davon, dass er „die Verlängerung des 19. Jahrhunderts“ darstelle.

Zum 100. Gedenktag des Ausbruchs dieses Krieges sind zahlreiche Publikationen erschienen, jedoch kaum welche die jenseits des Schlachtengeschehens den Blick auf die Städte und damit auf die Menschen in Frontnähe und in der Etappe richten.

Diese Lücke schließt die Publikation „Städte im Krieg – Erlebnis, Inszenierung und Erinnerung des Ersten Weltkriegs“. Das im Thorbecke-Verlag erschienene Werk ist Band 41 der Reihe „Stadt in der Geschichte“ des Südwestdeutschen Arbeitskreises Stadtgeschichtsforschung, dessen stellvertretender Vorsitzender Stadtarchivleiter Dr. Ernst-Otto Bräunche ist.

Bräunche und der Züricher Historiker Dr. Stefan Sander-Faes sind die Herausgeber des Buchs, das die Ergebnisse einer Karlsruher Tagung im Vorfeld der 22. Europäischen Kulturtage 2014 zum Thema „Frieden und Krieg 1914-2014“ zusammenfasst. Sander-Faes hat das Buch am Montag an historischer Stätte vorgestellt: Der heutige Lesesaal des Stadtarchivs war seinerzeit der Ort in der ehemaligen städtischen Pfandleihe, an dem „Liebesgaben“ für die Frontsoldaten gesammelt wurden.

Elf Autorinnen und Autoren befassen sich in dem Buch mit dem Geschehen in den Städten im Ersten Weltkrieg. Beispielsweise mit den Luftangriffen auf Karlsruhe, Freiburg, Lörrach, Müllheim, Offenburg oder Mannheim. Im Juni 1916 waren bei einem französischen Luftangriff auf Karlsruhe zahlreiche Zirkusbesucher, vor allem Kinder, getötet worden. Andere Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit den Kriegsereignissen und -folgen in Nancy, Eupen, Mannheim oder Prag, in Paris und Berlin.

Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche lobte den Stadtgeschichtsverein bei ihrer Begrüßung ausdrücklich dafür, dass er sich um die Erforschung der Stadtgeschichte kümmere. Ein Thema, das in Universitäten eher stiefmütterlich behandelt werde. Und das, obwohl Beschlüsse „von oben“ unmittelbare Auswirkungen auf die Wohnorte und damit auf die Menschen hätten.

Sowohl Asche als auch Sander-Faes richteten ihre Blicke auch nach vorne. Asche betonte im Hinblick auf die Europäischen Kulturtage die friedensstiftende Kraft Europas, währen Sander-Faes vor aktuellen nationalistischen Tendenzen in Europa warnte. -erg-

 
 

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