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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. Oktober 2016

Stadtgeschichte: Eine große Gestalterin

Louise Kachel-Bender Foto: Stadtarchiv

Louise Kachel-Bender Foto: Stadtarchiv

 

Schauspielerin Louise Kachel-Bender 100 Jahre tot

Sie zählte nach 1860 zu den bedeutendsten Schauspielerinnen, die das Großherzogliche Hoftheater hervorgebracht hatte: die am 7. Dezember 1847 in Karlsruhe geborene und vor 100 Jahren, am 25. Oktober 1916 in München gestorben Louise Kachel-Bender.

Auch tänzerisch und mit einer hellen Sing- und klaren Sprechstimme begabt, zog es die Tochter eines Polizisten schon früh auf die Bühne. So durfte sie bei der Einweihung des Hübsch´schen Hoftheaters 1853 eine kleine Rolle spielen. Als Ballettschülerin unterschrieb sie 15-jährig 1857 ihren ersten Vertrag. Intendant Eduard Devrient war von der beweglichen jungen Elevin, die den Tanz allerdings wegen Gelenkschmerzen bald aufgeben musste, so angetan, dass er sie früh auch in kleinen Schauspielrollen einsetzte.

Er lehrte sie, natürlich zu bleiben, Künstlichkeit, leere Äußerlichkeit und Manierismen zu meiden und sich jederzeit in das Ensemble als größeres Ganzes einzufügen. Mit Opern von Wagner und Gluck sowie Schauspielen, etwa von Shakespeare, Schiller, Goethe, Lessing, Moliere oder Hebbel führte Devrient das Theater  in die erste Liga, mit Louise als einer der tragenden Säulen. Etwa in den Rollen der Helena (Sommernachtstraum), Recha (Nathan) oder des Georg (Götz von Berlichingen). 1870 nahm die inzwischen berühmte Schauspielerin  ein „glänzendes“   Angebot  aus Braunschweig an, heiratete jedoch ein Jahr später den Direktor der Karlsruher Kunstgewerbeschule, Gustav Kachel.

Aus der nur neunjährigen, glücklichen Ehe gingen zwei Töchter hervor. Nach dem Tod ihres Mannes setzte sie ihre Karriere 1883 am Hoftheater fort, wo sie sich allerdings ihre frühere, gut dotierte  Stellung unter Albert Bürklin erst wieder erkämpfen musste.  Das gelang, bald ging ihr der Ruf einer der „bedeutendsten Menschengestalterinnen“ voraus.  Den neuen Theaterchef August Bassermann, von dem sie sich nicht ausreichend gewürdigt sah, bat das Ehrenmitglied des Theaters, die Trägerin der großherzoglich badischen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft 1905 um ihre Versetzung in den Ruhestand. Ihr letztes Lebensjahrzehnt verbrachte die Künstlerin bei ihren Töchtern in München, wo sie auch bestattet wurde. -cal- 

 
 

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