Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. November 2016

Kriminalstatistik: Diebstahl als Delikt ganz oben

STREIFE AUF DEM WEG ZUM EINSATZ: Vor allem immer mehr Diebstähle beschäftigten die Beamtinnen und Beamten des Polizeipräsidiums Karlsruhe im vergangenen Jahr. Foto: Fränkle

STREIFE AUF DEM WEG ZUM EINSATZ: Vor allem immer mehr Diebstähle beschäftigten die Beamtinnen und Beamten des Polizeipräsidiums Karlsruhe im vergangenen Jahr. Foto: Fränkle

 

Deutliche Zunahme der Straftaten in Karlsruhe / Stadtteilbezogene Analyse / Debatte im Hauptausschuss über mögliche Konsequenzen

Die Zahl der in Karlsruhe verübten Straftaten ist von 27.386 im Jahr 2011 auf 33.323 im Jahr 2015 angestiegen. Welche Stadtteile von welchen Delikten besonders betroffen waren, zeigt eine stadtteilbezogene Analyse der Kriminalstatistik, die das Amt für Stadtentwicklung (AfSta) jetzt dem Hauptausschuss des Gemeinderats vorstellte.

Karlsruhe gehört zu den großen Städten in Baden-Württemberg mit hoher Kriminalitätsrate und lag 2015 bei diesem Ranking hinter Freiburg (13.309) und Mannheim (11.648) mit 11.106 erfassten Straftaten je 1000.000 Einwohner auf Rang drei. Für den Rekordanstieg der registrierten Delikte um 16,6 Prozent im Jahr 2015 im Vergleich zu 2011 machte AfSta-Leiterin Dr. Edith Wiegelmann-Uhlig bei der Präsentation des „Karlsruher Stadtteil-Atlas der Straftaten“ vor allem das deutliche Plus von 37,7 Prozent bei Diebstählen verantwortlich. Aus diesen stechen Ladendiebstahl (plus 49,2) und Taschendiebstahl mit sogar plus 86,5 Prozent hervor. Als weitere Faktoren nannte Wiegelmann-Uhlig die Verdoppelung der Wohnungseinbrüche 2013 und 2014 (bei leichtem Rückgang 2015) sowie den Anstieg der Rohheitsdelikte wie Raub oder Körperverletzung um 15,4 Prozent. Um 5,6 Prozent leicht zurückgegangen sind dagegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Der Ausländeranteil an den Straftaten beträgt 48,4 Prozent, die Untersuchung verdeutlicht aber, dass der Großteil der darin eingerechneten Delikte von durchreisenden Tätergruppen verübt wurde. Als Ballungsräume von 2015 verübten Straftaten nennt der nach dem „Tatortprinzip“ erstellte „Karlsruher Stadtteil-Atlas“ die Innenstadt mit ihrer hohen Dichte von Lokalen, Discos und Geschäften, die Oststadt, die Weststadt, die Südweststadt, Mühlburg, die Südstadt und Durlach. Je nach Art der Delikte bietet sich ein unterschiedliches Bild: So ist die Oststadt Schwerpunkt bei Diebstählen von oder aus Kraftfahrzeugen, Südweststadt und Weststadt liegen bei den Diebstählen von Fahrrädern vorne. Von Wohnungseinbrüchen waren äußere Stadtteile mehr betroffen als innerstädtische. 2015 wurde am häufigsten in Wohnungen in Durlach und Grünwinkel eingebrochen.

In der Debatte sprach sich SPD-Fraktionschef Parsa Marvi dafür aus, „die Fakten nüchtern zu analysieren“ und dann Konsequenzen zu ziehen. Er warnte davor, mit dem Begriff „Ausländerkriminalität“ Migranten „ins falsche Licht zu rücken“ und sah für die Stadt „nur begrenzte Möglichkeiten“, der Entwicklung entgegenzusteuern. Marvi: „Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) kann nur unterstützen, wir sollten nicht den Job der Polizei machen, sondern uns auf die Prävention konzentrieren.“ Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Tilman Pfannkuch plädierte für eingehende Analyse der „wichtigen Erkenntnisse“ und „ein Nachdenken über Handlungsmöglichkeiten“. Klar war für ihn aber: Präsenz von Polizei und KOD „spielt eine wichtige Rolle für Sicherheitsgefühl und Prävention“.

GRÜNE-Fraktionschefin Dr. Ute Leidig sah im Kampf gegen die „erschreckende Bandenkriminalität“ präventive Maßnahmen als „besseren Ansatz“. Wie KULT-Stadtrat Erik Wohlfeil, der „ein differenziertes Hinsehen“ auf die unterschiedlichen Straftaten forderte. AfD-Stadtrat Marc Bernhard hingegen meinte, die Stadt müsse „erst mal selbst handeln“ und den KOD aufstocken. „So kann es auf Dauer nicht weiterlaufen“, wollte FDP-Stadtrat Thomas Hock den KOD „aufrüsten“ und das Land an den Kosten beteiligen. Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) forderte „eine Analyse der sozialen Zusammensetzung der Täter“. Die Stadt müsse „erst schauen, was hinter den Zahlen steht“, warnte Stadtrat Friedemann Kalmbach (GfK) vor „einem schnellen Urteil“. FW-Stadtrat Jürgen Wenzel wollte „ein Sicherheitskonzept ohne Scheuklappen“.

OB Dr. Frank Mentrup sicherte zu, bei der nächsten Gesprächsrunde mit der Polizei Handlungsmöglichkeiten für die Stadt zur Verhinderung von Straftaten zu erörtern. „Karlsruhe ist wegen seines Wohlstands für Täter attraktiv“, betonte der neue Kripochef des Polizeipräsidiums Thomas Rüttler. Kriminalität sei allumfassend „und lässt sich durch noch so viel Polizei nicht gänzlich verhindern“, wandte sich Rüttler deutlich „gegen ein Aufrüsten“. Stattdessen seien Vernunft und Augenmaß gefragt. -trö-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe