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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. November 2016

Kultur: Aktives Plädoyer für Europa

HENRY MOORES „FALLENDER KRIEGER“ ist eine von über 500 Leihgaben, die noch bis 29. Januar bei der groß angelegten Ausstellung „Kunst in Europa 1945 - 1968“ zu sehen sind. Foto: Bastian

HENRY MOORES „FALLENDER KRIEGER“ ist eine von über 500 Leihgaben, die noch bis 29. Januar bei der groß angelegten Ausstellung „Kunst in Europa 1945 - 1968“ zu sehen sind. Foto: Bastian

 

ZKM zeigt Ausstellungsprojekt zur Nachkriegskunst in West und Ost / 500 Werke

Es ist eine späte Wiedervereinigung von West und Ost im Namen der Kunst. Die groß angelegte Ausstellung „Kunst in Europa 1945 bis 1968 – Der Kontinent, den die EU nicht kennt“ im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) bildet aus über 500 Leihgaben von 200 Künstlerinnen und Künstlern ein „Panorama gesamteuropäischer Kunstentwicklung“ beidseitig des historischen Eisernen Vorhangs.

Betont bewusst Verbindendes, nicht Trennendes. Zeigt, dass neue Kunstformen der Nachkriegszeit – von der Medienkunst bis hin zur Konzeptkunst, von der Aktionskunst bis hin zur Klangkunst – ihre Ursprünge in Europa hatten oder sich zeitgleich in Westeuropa, den USA, Russland und Osteuropa formierten.

Damit schließe die Schau „nicht nur eine Lücke innerhalb der Kunstgeschichte“ und schreibe sie neu, sie sei auch mit Blick auf die Zukunft „ein aktives Plädoyer für Europa“, erläuterte ZKM-Chef Peter Weibel. Ein ambitioniertes Projekt, unterlegt mit einer Zeitleiste, die zentrale politische und künstlerische Ereignisse dokumentiert. Hier „die freie abstrakte Kunst aus dem Westen“, dort „die dumme Realismus-Kunst im Osten“, derlei Klischees stammten aus Zeiten des Kalten Kriegs.

„Alle unsere Bilder, Überlegenheit gepachtet zu haben, sind nicht stimmig“, meinte der Berliner Kunsthistoriker Eckhardt Gillen. Die Künstler hätten sich von kunstpolitischen Begriffen emanzipiert und „sehr leise, sehr subversiv eine Gegenbewegung in Gang gesetzt.“

Karlsruhe ist zweite Station der von Weibel und Gillen kuratierten Ausstellung nach dem Brüsseler Palais des Beaux-Arts. Ende Januar wandert sie in Moskaus Puschkin-Museum. Jedes der drei renommierten Häuser setzt Akzente. Im ZKM treten Vertreter westlicher Neoavantgardisten wie Zero, Nul , Groupe de Recherche d´Art erstmals im Kontext parallel entstandener osteuropäischer und russischer Tendenzen - darunter Nove tendencije oder die Gruppe Dvizhenie - in Erscheinung. -red-/-maf-

 
 

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