Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. November 2016

Mahnwache: Vor Populismus gewarnt

MAHNWACHE IN DER KRONENSTRASSE: Dominikus-Schülerinnen und OB Mentrup (links) gedachten der Pogromnacht. Foto: Fränkle

MAHNWACHE IN DER KRONENSTRASSE: Dominikus-Schülerinnen und OB Mentrup (links) gedachten der Pogromnacht. Foto: Fränkle

 

In Kronenstraße Mahnwache von Dominikus-Schülerinnen

Hermann Brand und Lilly Wahl, geb. Jankelowitz („Lilly Jank“) waren Künstler am Badischen Staatstheater. Bis sie als Juden 1933 aus dem Ensemble entlassen wurden. Brand hatte sich von seinem Glauben längst verabschiedet, Verantwortliche des Theaters hatten sich gegen seine Entlassung gewehrt – vergebens.

Er konnte dem Terror des NS-Regimes entfliehen, erhielt 1964 das Bundesverdienstkreuz, wurde Ehrenmitglied des Staatstheaters. Lilly Jank wurde 1944 nach Bergen-Belsen verschleppt und in Ravensbrück ermordet. Tamara, Schülerin der 10 c im St. Dominikus-Gymnasium, stellte beide stellvertretend für ihre 23 Mitschülerinnen am Mittwoch bei der Mahnwache zur Reichspogromnacht dem zahlreich erschienen Publikum vor. Die jungen Frauen hatten am ehemaligen Standort einer der beiden Karlsruhe Synagogen an der Kronenstraße Tafeln auf- und auf diesen die Biografien beider Künstler wie die Geschichte des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung mit ihren Auswirkungen auf Karlsruhe dargestellt.

Beide Synagogen wurden in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 geschändet, auch zahlreiche jüdische Geschäfte und Praxen. Es sollte wie eine Aktion Aufgebrachter aussehen, war aber staatlich organisiert, weil der Antisemitismus Staatsdoktrin der Nationalsozialisten war, wie Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei seinem Besuch der Mahnwache hervorhob. Auch angesichts des US-Wahlergebnisses in der Nacht zuvor warnte er vor aufkommendem Populismus, der in der Reichspogromnacht dafür gesorgt hatte, dass die Bürgerinnen und Bürger weitgehend teilnahmslos blieben, als die Nazi-Schergen Juden angriffen. Der OB dankte den Schülerinnen für ihr Engagement. Die Mahnwache junger Leute in der Kronenstraße gibt es seit 1988, seit den Neunzigern in jedem Jahr.

Am Abend folgte die traditionelle Gedenkveranstaltung im Tollhaus. Schauspieler sprachen über den NS-Richter Dr. Gerhard Caemmerer, der drei Juden rettete. Bericht in der nächsten StadtZeitung. -erg-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe