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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 25. November 2016

Kultur: Betörend und verstörend

PREISÜBERGABE: OB Dr. Frank Mentrup, Stiftungsvorsitzender Dr. Georg Schmidt-Bergmann und Autor Christian Kracht (v. l.). Foto: Fränkle

PREISÜBERGABE: OB Dr. Frank Mentrup, Stiftungsvorsitzender Dr. Georg Schmidt-Bergmann und Autor Christian Kracht (v. l.). Foto: Fränkle

 

Hermann-Hesse-Preis: Gewinnerduo Kracht und Maack

Für Christian Kracht läuft es richtig gut. Nicht genug, dass die Schweizer ihren Landsmann kürzlich für seinen Roman „Die Toten“ mit dem Buchpreis 2016 geehrt haben, am Freitag bekam er im vollbesetzten Bürgersaal des Rathauses mit dem Hermann-Hesse-Literaturpreis eine weitere Auszeichnung und 15. 000 Euro dazu.

Die bei Kiepenheuer & Witsch erschienene „Hommage an die Ära des Stummfilms“ zur Zeit der Machtübernahme die Nationalsozialisten besteche durch ihren „betörenden und verstörenden suggestiven Stil“, schwärmte Dr. Bettina Schulte von der Badische Zeitung. Ernst nehmen könne man den Plot um den Filmemacher Nägeli, den der deutsche Medienmogul und Reichsminister Alfred Hugenberg nach Japan schickt, um einen Gruselfilm zu drehen, nicht. Er ziehe einen durch seine „schillernde Ambivalenz“ aber so in den Bann, dass „Plausibilität keine Rolle mehr spielt.“ Kracht, dessen Neuling von gewaltigem Rauschen im Blätterwalt begleitet worden war, sei keiner, „der sich jederzeit an Regeln hält, schon gar nicht an die des Literaturbetriebs.“

Der Hesse-Preis, 1957 erstmals verliehen an Martin Walser, hatte den Segen des berühmten Namensgebers, sagte OB Dr. Frank Mentrup, der ihn gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Hessepreis-Stiftung, Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, überreichte.

Angeschlossen ist auch ein Förderpreis (5.000 Euro). Ihn erhielt Benjamin Maack. Laudator Andreas Platthaus von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schätzt an dessen bereits 2012 erschienenem, von pessimistischer Weltsicht durchwirkten Erzählband „Monster“ die „ausgesprochen schöne Sprache“ und die Verbindung verschiedener Stilebenen. Es sei „unangenehm und zugleich brilliant, wie und was er schreibt“, seine Geschichten erzeugten Staunen. Eine Ermutigung soll der Förderpreis sein. Ermutigung zum Weitermachen: Maack hat seit vier Jahren nichts mehr veröffentlicht. Für einen Schriftsteller eine „irrwitzig lange Zeit“, die laut Maack einem „Beinahe-Tod“ gleich komme. Nach Nervenzusammenbruch, Psychiatrieaufenthalt, Unfall und Kürzertreten im Brotberuf als Journalist ginge es ihm heute „besser denn je“. Er freue sich, dass „da draußen jemand auf meine Texte wartet.“-maf-

 
 

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