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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. Dezember 2016

Kultur: Atemlos und rauschhaft

WIE EBEN ABGESTELLT wirkt der Reisekoffer mit Hosen, Shirts, Slippers und Baseballkappe von Jack Kerouac, mit dem er durch die USA reiste. Der Trip war Grundlage für sein Kultbuch. Foto: Bastian

WIE EBEN ABGESTELLT wirkt der Reisekoffer mit Hosen, Shirts, Slippers und Baseballkappe von Jack Kerouac, mit dem er durch die USA reiste. Der Trip war Grundlage für sein Kultbuch. Foto: Bastian

ON THE ROAD:  36 Meter misst Kerouacs Originalmanuskript. Foto: Bastian

ON THE ROAD: 36 Meter misst Kerouacs Originalmanuskript. Foto: Bastian

 

ZKM zeigt Ausstellung über die Beat-Generation

Die Beat-Generation sei eine Vision gewesen „von verrückten, erleuchteten Hipstern, die plötzlich auftauchten und Amerika durchwanderten, ernsthaft, überall hintrampten und sich durchschnorrten, in Lumpen, geschlagen und glückselig, schön auf eine hässliche, anmutige Art“, schrieb 1958 Jack Kerouac in „Aftermath“.

Beat, das bedeutete „ganz unten zu sein und doch voller tiefer Überzeugungen.“ Kerouac, William S. Burroughs und Allen Ginsberg waren die bekanntesten Köpfe jener inspirierenden künstlerischen Bewegung, die Ende der 40-er Jahre an der New Yorker Columbia Universität als Gegenentwurf zum autoritären Amerika der McCarthy-Ära entstand.

Nach dem Centre Pompidou zeigt nun das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) bis 30. April die Retrospektive auf die „Beatniks“. Einer Reise gleich entfaltet die Schau die geografischen Fixpunkte der Szene - von New York bis San Francisco, von Tanger bis Paris und London. In über 500 Exponaten - literarische Dokumente, Fotos, Zeichnungen, Malerei, Kollagen, Filme und Musik - spürt die Schau den künstlerischen Ausprägungen der Gruppe nach. Und sie zeigt, wie sich der Virus der Rebellion verbreitete. Wie die Ablehnung vom Homophobie und Rassismus, die Abkehr vom Establishment und der ekstatische Lebensstil die Hippies, die „Mai-Unruhen“ 1968 in Frankreich und den Widerstand gegen den Vietnamkrieg beeinflussten. Im Vergleich zu Paris erinnere Karlsruhe auch an Beat-Frauen wie Ruth Weiss oder Leonore Kandel, dokumentiere den „multimedialen Ansatz“ der Szene, betonte ZKM-Chef Peter Weibel. Die „Beats“ seien keine nur literarische, vielmehr eine „politische, sexuelle und künstlerische Freiheitsbewegung“ gewesen.

Gleich zu Beginn geht es mit Kerouac „On the road“. 36 Meter lang und eng beschrieben ist das Blatt für Blatt zusammengefügte Originalmanuskript seines Kult-Romans, den er fast ohne Punkt und Komma, atemlos und wie im Rausch verfasste. Wie populär Ginsberg und die anderen waren, führt der Mitschnitt einer Lesung vor rund 7.000 Besuchern in der Londoner Royal Albert Hall um 1965 vor Augen. In Karlsruhe hingegen kann man ihnen ganz intim am Telefon lauschen - einfach die altmodische Wählscheibe drehen und Gedichte hören. Auch der Bob Dylan der 60er-Jahre war ein „Beat“-Poet. Ein Film zeigt ihn und Ginsberg am Grab Kerouacs. -maf-

 
 

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