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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Dezember 2016

Kultur: Selbstdarsteller und Friedensfürst

RAMSES II. versetzt gleich am Anfang der Schau vor dem Hintergrund des Eingangs zum Allerheiligsten des Felsentempels in Abu Simbel auch die Besucherinnen und Besucher in Staunen. Foto: Deck

RAMSES II. versetzt gleich am Anfang der Schau vor dem Hintergrund des Eingangs zum Allerheiligsten des Felsentempels in Abu Simbel auch die Besucherinnen und Besucher in Staunen. Foto: Deck

 

Erste deutsche Schau über göttlichen Herrscher am Nil Ramses II. im Landesmuseum

Als genialer Selbstdarsteller übersäte Ramses II. Ägypten mit monumentalen Bauten, Statuen, Inschriften, regierte weltoffen 66 Jahre, so lang wie kein anderer, schloss den ersten Friedensvertrag auf Augenhöhe und hatte die meisten Frauen und Kinder. Gewidmet ist dem als Gott Verehrten (1303 bis 1213 v. Chr.) und seinem „goldenen Zeitalter“ im Badischen Landesmuseum bis 18. Juni Deutschlands erste Schau überhaupt.

Besucher stoßen im wüstenrot inszenierten Eingang gleich auf den Herrscher – in Form einer überlebensgroßen Rosengranit-Statue aus Luxor. Im „Säulensaal“ reiht sich der Mächtigste - oberster Priester, Kriegsherr, Richter, Regierungsführer - vor der auch für ihn richtungsweisenden Gerechtigkeitsgöttin Maat in die Tradition mythischer Pharaonen ein: Anhand eines Kopfes von Chephren (Erbauer der mittleren Pyramide in Gizeh) sowie Büsten von Seostris III. und Thutmosis III., während der drei Meter hohe Berliner Gipsabguss einer Büste aus seinem Totentempel, dem Ramesseum, Ramses‘ gewaltigen Anspruch verkörpert. Und vor einer goldenen Wand die Sitzstatue aus seiner Hauptstadt Pi-Ramesse. Den noch jungen Pharao bei seiner Einführung in das Königsamt zeigt ein wunderbares, farbiges Relief aus Abydos.

Dahinter beten ihn im „Allerheiligsten“ Menschen verschiedener Berufe an, zu sehen über Stelen. Ramses selbst ist in einer sehr seltenen blauen Fayencefigur als Falkengott (freigestelltes Bild, Foto: pr) präsent. Eine Grafik zeigt im Durchgang seine Familie mit sieben Haupt- und vielen Nebenfrauen sowie mindestens 100 Kindern. Ein goldener Ring verweist auf seine geliebte Nefertari und sein Kalksteinkopf auf den gelehrten Sohn und „Archäologen“ Chaemwaset. Der pyramidal aufgebauten Gesellschaft gilt in ebensolcher Architektur der vierte Raum. Nach dem Pharao folgte der Wesir als oberster Verwaltungsleiter, für den die Kniefigur Paser steht. 95 Prozent der Bevölkerung bildeten einfache, analphabetische Handwerker, Bauern und Diener. Sie konnten wenig hinterlassen, gezeigt werden Alltagsgegenstände wie eine Schale mit Früchten oder ein Bierkrug.

Wüstengelb gestaltet ist das Thema „Bauherr und Stadtgründer“ mit einer Frontansicht von Abu Simbel samt vertiefender Medienstation, etwa über die spektakuläre Versetzung des Tempels und einer auf dem napoleonischen Feldzug 1799 entdeckten graurosa Riesenfaust. Spektakulär auch die virtuelle Rekonstruktion der Pracht von Pi-Ramesse. Als Stratege und Diplomat rund um „das große Grüne“, das Mittelmeer (Raum VI), kämpfte Ramses um die Vormachtstellung in Vorderasien. Da die kriegerisch mit den gleichstarken Hethitern nicht zu gewinnen war (verdeutlicht durch bronzene Waffen), setzte der Pharao auf Handel und Diplomatie, nachdem die Schlacht von Kadesch (1274 vor) ohne Entscheidung blieb. Eine fotografische Reproduktion des Schlachtenreliefs aus Abu Simbel macht sie nachvollziehbar. Der Friedensvertrag mit Hattuschili III. (1259) sicherte jahrzehntelangen Frieden. Davon zeugen Fragmente von Papyri und Keilschrifttexten. Eine Kopie des Vertragstextes hängt im New Yorker UN-Gebäude. Den Bogen schließt das Ramses Lab mit der Geschichte der Mumie des 1,73 Meter großen Königs samt Nachbildung, Katzenmumie, auch virtuell zum Auswickeln, und Infos zur Mumifizierungstechnik (www.lan-desmuseum.de). -cal-

 
 

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