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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Dezember 2016

Weihnachtsbotschaft des Oberbürgermeisters

Foto: Fränkle

Foto: Fränkle

 

Liebe Karlsruherinnen, liebe Karlsruher,

wer in diesen Tagen das Jahr 2016 Revue passieren lässt, dem fallen vielleicht zunächst ganz persönliche Erlebnisse ein – die laue Sommernacht mit Freunden bei den Schlosslichtspielen, der Umzug von Pippi Langstrumpfs Papagei „Rosalinda“ und ein Besuch im Zoologischen Stadtgarten, die Begegnung mit der Lieblingsband bei „Das Fest“ oder Momente und Ereignisse, die von großer Bedeutung für das eigene Leben waren, es in der einen oder anderen Weise geprägt und verändert haben.

Das, was wir erlebt haben, schafft Verbundenheit mit dem Raum, in dem wir es erlebt haben, macht Stadt zur Heimat – auch in schwierigen Phasen. Und gerade dann ist es wichtig, dass alle Fragen und Unklarheiten mit Unvoreingenommenheit, Toleranz und Offenheit auf den Tisch kommen und in einem Klima von gegenseitigem Respekt und in Achtung vor dem Andersdenkenden diskutiert werden, um zu Handlungsoptionen für die Zukunft zu kommen.

In Karlsruhe haben wir im vergangenen Jahr dabei einen erfolgversprechenden Weg eingeschlagen, den ich gerne gemeinsam mit Ihnen auch im nächsten Jahr in vertrauensvollem, konstruktivem Austausch fortsetzen möchte. Es ist gelungen, etwa mit den Bürgerforen einen Ort des Austauschs und des verantwortungsvollen Miteinanders auch zu kontroversen Themen zu schaffen – ob zur Situation der Geflüchteten, zu Sicherheit und Sauberkeit, zu zentralen Projekten wie neues Fußballstadion, Zukunft des Zoologischen Stadtgartens oder auch zur notwendigen Stabilisierung der Stadtfinanzen. Ängste wurden genommen, und es wurde offen und ernsthaft auf Sorgen und Bedenken von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen. Ich wünschte mir, dass wir auch im kommenden Jahr so intensiv im Austausch bleiben – und dass gerade Meinungsbildner und Multiplikatoren sich ihrer besonderen Verantwortung für das gesellschaftliche Klima in unserer Stadt bewusst bleiben.

Das Jahr 2016 ist darüber hinaus auch gekennzeichnet durch Entscheidungen, die als wichtige Weichenstellungen in die Geschichte unserer Stadt eingehen werden. Die langwierigen, nicht einfachen Verhandlungen über den Neubau des Wildparkstadions konnten zu einem von allen Beteiligten akzeptierten Abschluss geführt werden. Nach einem jahrelangen Anlauf ist die Startlinie zur Realisierung überschritten, das Ziel liegt in erreichbarer Ferne. Und auch die Hängepartie um das zweite Teilprojekt der Kombilösung, den Umbau der Kriegsstraße mit Autotunnel und oberirdischer Schienentrasse, konnte zu einem guten Ende gebracht werden. Die Zweifel des Bundesrechnungshofs an der Sinnhaftigkeit dieser Investition konnten durch Fakten zerstreut werden, die Arbeiten werden im kommenden Jahr beginnen.

Und auch die Einsicht in die Notwendigkeit, den städtischen Haushalt zu stabilisieren, um in Zukunft handlungsfähig zu bleiben und Entscheidungsspielräume zur Gestaltung einer für alle lebenswerten Heimatstadt Karlsruhe zu bewahren, hat letztlich zu verantwortbaren Ergebnissen geführt. Sicher musste das Niveau der einen oder anderen gewohnten Leistung korrigiert werden. Dennoch sollte man nicht aus dem Blick verlieren, dass uns viele Kommunen um die freiwilligen Angebote beneiden, welche die Menschen in unserer Stadt wahrnehmen können.

Es sind nur drei der augenfälligsten Beispiele, die auch die Leistungsfähigkeit der Gesamtheit der Mitarbeitenden in der Verwaltung und der politisch Entscheidenden unter Beweis stellen, ihre Arbeitsmoral, die oft die Belastungsgrenzen überschritten haben. Getrieben vom Willen, das Beste für die Stadt und die Menschen, die hier leben, zu erreichen. Ich bin überzeugt, so sind wir auch gerüstet für die Herausforderungen, die das neue Jahr an uns stellen wird.

Mit den Heimattagen Baden-Württemberg verspricht auch 2017 ein Jahr mit vielen Höhepunkten zu werden. Erstmals finden sie in einer Stadt unserer Größe statt. Und wir wollen uns in den drei zentralen Themensträngen „Heimat im Wandel“, „Heimat im Netz“, „Heimat des Fahrraderfinders“ gemeinsam vielfältige Fragen nach dem stellen, uns damit beschäftigen, was Heimat im 21. Jahrhundert ausmacht.

Kurz vor Jahresende wird diese Rückschau auf 2016 und die Freude auf 2017 von einem feigen, menschenverachtenden Anschlag auf arglose Menschen in Berlin jäh unterbrochen. Wird sich dadurch an unseren Werten, wird sich dadurch an unserer Vorfreude, wird sich dadurch an unserer Lust auf ein gemeinsames Miteinander etwas ändern? Ich glaube nicht.

Ich freue mich auf 2017 in Karlsruhe und wünsche Ihnen allen besinnliche Festtage und einen guten Start ins neue Jahr.

Dr. Frank Mentrup
Oberbürgermeister

 
 

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