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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. März 2017

Gemeinderat: Debatte zur zukünftigen Nutzung der Europahalle

DIE ZUKUNFT DER EUROPAHALLE ist noch unentschieden. Für einen Abriss plädieren weder Verwaltung noch Gemeinderat, zumal Anbindung und Infrastruktur starke Pluspunkte bleiben. Foto: Fränkle

DIE ZUKUNFT DER EUROPAHALLE ist noch unentschieden. Für einen Abriss plädieren weder Verwaltung noch Gemeinderat, zumal Anbindung und Infrastruktur starke Pluspunkte bleiben. Foto: Fränkle

 

Bedarfe und Träume prüfen / Antrag von CDU, GRÜNE, KULT bedingt kostenkontrollierte Planung von Optionen

Klar ist, dass die Stadt in die Europahalle investieren muss. Unklar bleibt, in welchem Umfang, zu welchem Zweck. Ein erfolgreicher Ergänzungsantrag von CDU, GRÜNE und KULT hat am Dienstag den Vorschlag der Verwaltung ersetzt und verschiebt die Entscheidung auf einen Zeitpunkt nach kostenkontrollierter Modellplanung.

„Es wird wieder emotional“, hatte Detlef Hofmann (CDU) angekündigt. Auch Dr. Ute Leidig (GRÜNE) begab sich schweren Herzens in die nächste Debatte zur Europahalle, die niemand wirklich aus dem Stadtbild verdrängen möchte, was OB Dr. Frank Mentrup als einziges beruhigendes Signal mitnahm. „Mittlerweise ist klar“, hatte Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz vorausgeschickt, „dass es eine eierlegende Wollmilchsau nicht geben wird“. So umfangreich eine Sanierung auch ausfallen möge, sie könne nie an Neubauqualität heranreichen. Für künftige Großveranstaltungen sei von Zuschüssen auszugehen und das (nun noch zu definierende) Projekt nicht mehr und nicht weniger als ein zusätzliches der „Zwei-Milliar-den-Liste“ von Investitionen der nächsten zehn Jahre. Erneute Zuwächse bei Schulsport (plus 52 Prozent seit 2013) und Vereinssport (plus 25) bedeuteten, dass die Halle im klassischen Sinne „bis zur Halskrause“ belegt ist.

Als Optionen nach Mehrheitsentscheid mit 28:17 Stimmen anvisiert: Erstens eine (seitens der Verwaltung empfohlene) Sanierung für bis zu rund 21 Millionen Euro, welche bei die Grundvariante übersteigenden Maßnahmen zahlreiche Leichtathletik-Events und Ballsport-Spiele von der dritten Liga aufwärts ermöglicht, plus Dreifeldhalle im Stadtgebiet. Diese soll durch Events ausfallende Einheiten des Schul- und Vereinssports kompensieren. Zweitens eine einfache Sanierung zu etwa neun Millionen Euro, mit der die Europahalle im Grunde nur noch für Schul- und Vereinssport nutzbar (und dazu, wie der OB einordnete, „natürlich weit überdimensioniert“) wäre. Hinsichtlich Modernisierung solle die Verwaltung Einsparpotenziale aufzeigen, durch energetische Optimierung die Betriebskosten senken.

Für ein großes Forum sei parallel eine Ballsporthalle für bis zu 3000 Zuschauer in der Stadt oder eine multifunktionale Eventhalle für mindestens rund 3000 Zuschauer bei der Messe Karlsruhe zu realisieren. Letztere sollte von den GmbH Karlsruhe Messe und Kongress sowie Karlsruhe Event betrieben werden und zusätzlich auch Schülerschaft wie Vereinen Raum bieten. Darüber hinaus beauftragen die Fraktionen die Verwaltung, eine Belegungsübersicht (Ist und Prognose) sowie eine Prioritätenliste betreffend Zustand und Investitionsbedarf aller Schulsporthallen zu erstellen. Die Prüfaufträge folgen denen vom vorigen März, die in aufgezeigten Optionen mündeten. Auch hatte die Verwaltung potenzielle Nutzer wie den aufstrebenden Verein Post Südstadt eingebunden, eine Marktanalyse durchgeführt.

Die „Minilösung und niedrigere Betriebskosten“ nannte Michael Zeh (SPD) „illusorisch“. Der Verwaltung zu unterstellen, sie hätte Sparpotenziale übersehen, sei „grotesk“. Auf keinen Fall leiden dürfe der Schulsport, machte Leidig deutlich. „Wir brauchen prinzipiell mehr Sporthallen." Die Varianten kostenkontrolliert durchzuplanen, mache Sinn. Die Grünen wären für Multifunktionalität und auch eine innerstädtische Lösung offen – etwa mit der Gartenhalle. Gewachsenen Bedarf konstatierte Max Braun (KULT) und den Umstand, dass die Europahalle „für hochklassige Wettkämpfe kaum nutzbar“ bleibe.

„Insbesondere bei unserem Investitionsstau muss alles genau bedacht und geprüft werden“, betonte Hofmann und bezweifelte, dass 21 Millionen Euro berechtigt sind, wenn die Halle schon maximal ausgelastet ist, große Hallenmeisterschaften und Konzerte, auch wichtige Werbebanden aber ohnehin nicht platzierbar wären. Thomas H. Hock (FDP) mahnte und fand Unterstützer bei AfD, FW, GfK (Friedemann Kalmbach): „Was uns vorliegt, ist entscheidungsreif.“ Eine Extrarunde mit weiterem Gutachten koste 500.000 Euro „und hilft nichts“. Weitere Hallen seien „Blütenträume“, und: „Ich glaube nicht, dass wir die Europahalle am Ende mit nur 200 Leuten bespielen.“ -mab-

 
 

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