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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. März 2017

Integration: Ihre Ängste und ihre Träume

FILMPROJEKT: Regisseurin Isis Chi Gambatté (l.) erklärt ihre Doku „Deutschland, Deutschland?“ im Gespräch mit der städtischen Integrationsbeauftragten Meri Uhlig. Foto: Knopf

FILMPROJEKT: Regisseurin Isis Chi Gambatté (l.) erklärt ihre Doku „Deutschland, Deutschland?“ im Gespräch mit der städtischen Integrationsbeauftragten Meri Uhlig. Foto: Knopf

 

Film-Dokumentation gibt jungen Flüchtlingen eine Stimme / BM Lenz dankt für Engagement

„Deutschland, Deutschland?“ heißt eine Dokumentation, die kürzlich im Bürgersaal des Rathauses ihre Premiere feierte. Der Film der Regisseurin Isis Chi Gambatté gibt Flüchtlingen eine Stimme und zeigt, welche Gedanken sie beschäftigen.

Begrüßt wurden die Zuschauer von Bürgermeister Martin Lenz, der sich über die große Resonanz im voll besetzten Saal freute und sich für das Engagement aller Flüchtlingshelfer wie das der Regisseurin bedankte. Im Gespräch mit der städtischen Integrationsbeauftragten Meri Uhlig erläuterte Gambatté die Intention ihres Projekts: „Es wird immer über Flüchtlinge berichtet, aber nicht, wie es ihnen geht, was sie wahrnehmen, wie ihre Sicht der Dinge ist“, führte die Regisseurin ihre Sicht aus. Die Dokumentation handle von den Ängsten und den Träumen unbegleiteter minderjährige Flüchtlinge sowie vom Prozess, den sie seit ihrer Ankunft durchleben. Die Jugendlichen würden Eindrücke von Situationen sammeln, die für hier Verwurzelte selbstverständlich sind – beispielsweise saubere Straßen oder Straßenbahnen, die pünktlich fahren.

Einen destruktiven Wendepunkt gab es bei Gambattés Recherche – die Silvesternacht mit vor allem in Köln hunderten sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Flüchtlinge und Migranten: „Danach haben viele ihre Statements zurückgezogen, wollten nicht erkannt werden, nicht im Film auftreten“ – eine Herausforderung. Die Protagonisten wurden anonymisiert, treten nur mehr gezeichnet in Erscheinung.

Auch Vertreter örtlicher Sozial- und Flüchtlingsarbeit kamen zu Wort. Sie plädierten dafür, jedes Einzelschicksal zu betrachten. Der Schlüssel zur Integration sei eine Perspektive. Diese könne aus Deutschkurs, Schule, Ausbildung bestehen. Aus Sicht eines Flüchtlings seien Einheimische „Menschen, die immer arbeiten, auch Frauen“, so eine Äußerung. Als Wunsch wurde artikuliert, gute Jobs zu finden, „nicht nur als Lageristen oder Reinigungskräfte“. Integration und Teilhabe bräuchten einen langen Weg, den drohende Abschiebung erschwere. Wichtig sei, Flüchtlingen eine Stimme zu geben – wie in Gambattés Film. -voko-

 
 

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