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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. April 2017

Geschichte: Angehörige aus Israel stiften für Familie Stolpersteine

ELF STOLPERSTEINE hatten Miri Harel (rechts) und ihre Familie für die Familie Altmann gestiftet. Vorige Woche wurden sie verlegt. Foto: MMG

ELF STOLPERSTEINE hatten Miri Harel (rechts) und ihre Familie für die Familie Altmann gestiftet. Vorige Woche wurden sie verlegt. Foto: MMG

 

"Sie sind wieder zuhause"

Die Großfamilie Altmann hatte eine führende Stellung in der Karlsruher orthodoxen jüdischen Gemeinde mit der Synagoge an der Karl-Friedrich-Straße. Zwei Altmanns waren Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vorsteher der Gemeinde.

Ihr Vorfahr, Josef Altmann, wurde 1851 in den Oberrat der Israeliten in Baden berufen und war daher von Mosbach nach Karlsruhe gekommen.

Elf Angehörige der Familie wurden 1940 nach Gurs deportiert. Einer von ihnen, Jakob, starb 1943 im Lager Noé. Neun Altmanns wurden schließlich nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Lediglich Margot Altmann, bei der Deportation sechs Jahre alt, konnte in die Schweiz gebracht werden, wo sie vermutlich bei Verwandten lebte. Nach dem Krieg emigrierte sie nach Israel und gründete eine Familie. Ihre jüngste Tochter, Miri Harel, war nun mit Ehemann Barak, Tochter Yuval und Sohn Sagiv in Karlsruhe. Sie hatte die elf Stolpersteine für ihre Familienmitglieder gestiftet, die Mitarbeiter des Tiefbauamtes in der vorigen Woche vor dem Haus Adlerstraße 35 verlegten. Dort hatten Josef und Jenny Altmann, Jakob und Ruth Altmann mit ihren sechs Kindern, sowie Jenny Ahrend, die verwitwete Schwester von Ruth Altmann, gelebt. Margot Altmann wurde Zeit ihres Lebens nicht damit fertig, die einzige Überlebende zu sein, berichtete ihre Tochter Miri Harel bei der Stolpersteinverlegung. In bewegten und bewegenden Worten schilderte sie das Schicksal ihrer Angehörigen. Von der Aufforderung der Gestapo, das Haus binnen 30 Minuten zu verlassen und sich zum Bahnhof zu begeben, über die Lager in Frankreich bis zur Deportation nach Auschwitz. Sie beklagte, dass es keine Grabsteine für ihre Familienmitglieder gibt, weil ihre Asche in den Himmel von Auschwitz verflogen war. Die Geste von voriger Woche sei eine würdige Art der Erinnerung: "Wir bringen sie heute nach Hause zurück!" Miri bedankte sich bei Wolfgang Strauß, der bereits 2006 eine umfangreiche Biografie der Familie Altmann im Gedenkbuch der Karlsruher Juden (http://gedenkbuch.informedia.de) veröffentlicht und den Kontakt zur Koordinationsgruppe Stolpersteine hergestellt hatte. Und bei allen Anwesenden, auch bei Hausbewohnern und Gästen, die per Zeitungsnotiz von der Verlegung erfahren hatten und eigens gekommen waren. -erg-

 
 

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