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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. April 2017

Kultur:Von allen Seiten betrachten

HORST ANTES´ "GROSSER KOPF" (1979/80) aus Cortenstahl akzentuiert im Ensemble mit weiteren Großplastiken von Maler-Bildhauern den Lichtsaal der Städtischen Galerie. Foto: Bastian

HORST ANTES´ "GROSSER KOPF" (1979/80) aus Cortenstahl akzentuiert im Ensemble mit weiteren Großplastiken von Maler-Bildhauern den Lichtsaal der Städtischen Galerie. Foto: Bastian

 

Städtische Galerie holt 100 Skulpturen aus Sammlung aus dem Depot

Die Sammlung der Städtischen Galerie umfasst 700 Skulpturen - 100 davon hat Kuratorin Dr. Ursula Merkel für die aktuelle Ausstellung des Museums aus dem Depot geholt. Dass bis 18. Juni vergleichsweise wenige Werke die Entwicklung der Plastik vom späten 19. Jahrhundert bis heute veranschaulichen, sei den "Bedingungen der Präsentation" geschuldet, sagte Galerie-Leiterin Dr. Brigitte Baumstark. Dreidimensionale Arbeiten benötigten Raum, müssten "umschritten" und "von allen Seiten betrachtet werden können."

Das Hauptaugenmerk der Schau mit Beiträgen von 70 Künstlerinnen und Künstlern gilt der Zeit ab den 1960er Jahren. Der Parcours führt durch sieben Abteilungen, schlägt einen Bogen von figürlichen Bildwerken zu konstruktiv-architektonischen Raumplastiken und schließt konzeptionelle Tendenzen sowie Skulpturen aus Fundstücken ein. Ältestes Exponat ist die repräsentative Porträtbüste Großherzog Friedrichs I., die Badens prägende Bildhauerpersönlichkeit Hermann Volz 1885 im wilhelmistischen Stil schuf. Der Fürst, Gründer der "Großherzoglichen Kunstschule" und späteren Akademie, thront staatsmännisch dreinblickend am Eingang. Ganz anders der jüngste Neuzugang von 2017 - Harald Klingehöllers Faltarbeit aus Lochblechen "Schlaf tief", eine Schenkung des Förderkreises. Den Lichtsaal akzentuiert ein Ensemble aus Großplastiken von Maler-Bildhauern, darunter Markus Lüpertz´ "Die Bürger von Florenz", Lemurenköpfe von Franz West oder Horst Antes´ "Großer Kopf".

Wer mit offenen Augen durch Karlsruhe geht, erkennt die Entwürfe zu mancher Skulptur in der Schau wieder, denn diese Kunst setzt sich im öffentlichen Raum fort, vieles verschränkt sich. Ob das Bronzemodell "Stefanie" (1905) von Herrmann Binz, jener skandalumwitterten Nackten, die den Brunnen auf dem Stephanplatz schmückt, oder die Kleinversion von Werner Pokornys Stahlskulptur "9 Pfeiler, aufrecht" (1994) auf dem ZKM-Vorplatz - Bildhauerei liebt den freien Himmel über sich mehr als das Museum, man begegnet ihr auf Schritt und Tritt. -maf-

 
 

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