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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. Mai 2017

Kultur: Was eigentlich bedeutet Heimat?

Die GOLDWASCHBANK symbolisiert die durch die Rheinregulierung verlorenen Goldwaschgründe in Knielingen. Foto: Bastian

Die GOLDWASCHBANK symbolisiert die durch die Rheinregulierung verlorenen Goldwaschgründe in Knielingen. Foto: Bastian

 

Ausstellung im Stadtmuseum / Annäherungen in sieben Themenblöcken mit Exponaten, Film- und Tondokumenten

„Heimat, was ist das eigentlich? Gibt es vielleicht unterschiedliche Arten von Heimat? Kann man mehrere Heimaten haben?“, fragte OB Dr. Frank Mentrup bei der Eröffnung der Doppelausstellung „Karlsruher Heimaten“ im Stadtmuseum.

Unter sieben Themen gibt  die Schau bis 29. Oktober Anregungen für Besucherinnen und Besucher,  um Fragen zu stellen  und persönliche Antworten zu finden. Unter „Heimat suchen“ geht es etwa um badische Auswanderer der Krisenjahre 1816/17 oder nach der 1848er-Revolution. Sie strebten in den USA oder Brasilien nach ihrem Glück.  Eine solche Gruppe begleitete Fahrraderfinder Karl Drais, von dem eine Laufradkopie  und ein Schreibmaschinenmodell zu sehen sind. Für die von Badenern gegründete, argentinische Colonia Liebig steht der dort angebaute Matetee.

„Heimat finden“ geht auf Hugenotten und Waldenser ein, die als Glaubensflüchtlinge im heutigen Palmbach und Welschneureut Zuflucht fanden. Ihre Sprache Französisch findet sich  auf dem Schalldeckel der Kanzel von 1720 aus der Welschneureuter Kirche. Dazu gehören auch  „Gastarbeiter“, wie Mehmet Sölyeyici, dem ersten türkischstämmigen (Kraftfahrzeug-) Meister in Karlsruhe, dessen „Saz“, also Gitarre, ausgestellt ist. Den Aspekt „Heimat zerstören“ repräsentiert ein Modell, das die im Zuge der Sanierung des „Dörfle“ in den 1960er-Jahren zerstörte Nordseite der Brunnenstraße zeigt. 3000 Bewohner mussten damals umziehen. Dass die Knielinger durch die Tullasche Rheinregulierung auch fruchtbaren Boden und Goldgründe verloren, symbolisieren Goldwaschbank, Goldplättchen und -dukaten.

Eine neue „Heimat bauen“ konnten sich Vertriebene in der Kirchfeldsiedlung, verdeutlicht durch die ausgemusterte Glocke aus der dortigen Kirche oder serbisches Geschirr von 1890. Fotos der Trachtenausstellung von 1899, ein Heimat- und Wanderbuch oder eine Sonnenuhr belegen  „Heimat inszenieren, erkunden und instrumentalisieren“. Unter  „Heimatutopien“ stehen sich Entwürfe mit Ballons über der Stadt von 1900 und gegenwärtige mit modernem Fluggerät gegenüber. Abgerundet wird alles durch “Stimmen aus der Bevölkerung“ in Bild und  Ton. -cal-

Öffnungszeiten / Kombiticket
Das Stadtmuseum, Karlstraße 10, (Führung am 7. Mai, 15 Uhr) ist Dienstag und Freitag ab 10, Samstag ab 14 und Sonntag ab 11 bis jeweils 18, Donnerstag bis 19 Uhr offen, das Pfinzgaumuseum, Pfinztalstraße 9, Mittwoch ab 10, Samstag ab 14 und Sonntag ab 11 Uhr bis jeweils 18 Uhr. Kombiticket à vier, ermäßigt zwei Euro.

 
 

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